Public Health Nutrition: Eine neue Disziplin und ihre Herausforderungen

Ernährungsabhängige Erkrankungen sind heute pandemisch. Konventionelle Maßnahmen der Prävention wie Beratung und medizinische Strategien waren und sind nur begrenzt erfolgreich. Public Health Nutrition hat die Förderung der Gesundheit durch die primäre Prävention ernährungsabhängiger Erkrankungen zum Ziel. Strategien und Lösungswege dieser Disziplin betreffen Politik und unsere Lebenswelten.

Sie finden zunehmend breitere Akzeptanz in unserer Gesellschaft und sind bzw. werden Teil nationaler und internationaler Aktivitäten im Kampf gegen das Übergewicht. Angesichts des heute in allen Altersgruppen pandemischen und besonders bei Kindern und Jugendlichen immer häufigeren Auftretens ernährungsabhängiger Erkrankungen und der begrenzten Erfolge konventioneller und medizinischer Strategien zu ihrer Prävention und Behandlung brauchen wir ein neues und erweitertes Verständnis der in Rede stehenden Probleme sowie deren – auch politische – Lösung.

Lebensstil und biologische Faktoren sind die naheliegenden und individuellen Determinanten von Übergewicht und der damit assoziierten Komorbidität. In epidemiologischen Untersuchungen besteht aber nur eine schwache Beziehung zwischen Variablen des Lebensstils (wie z. B. Ernährung und körperliche Aktivität) und dem Auftreten bzw. dem Ausmaß von Übergewicht und auch der davon abhängigen Erkrankungen. Demgegen über sind biologische und soziale Faktoren stärker wirksame Determinanten. Die genauen genetischen Grundlagen der ernährungsabhängigen Erkrankungen sind allerdings bis heute nicht bekannt.

Soziodemographische Faktoren (wie Bildung, Einkommensunterschiede), ökonomische Entwicklung (Wohlstand, Arbeit), eine hohe Produktivität und offensive Marktstrategien (z. B. in der Medien- und Lebensmittelindustrie), niedrige Preise, eine Kultur des Konsums, eine Politik des ungebremsten wirtschaftlichen Wachstums, automatisierter Transport und Verkehr sowie die zunehmende Urbanisierung sind eng mit dem Auftreten von Übergewicht assoziiert. Dabei wird die Ambivalenz unseres Miteinanders offensichtlich: Wirtschaftliches Wachstum ist ein vorrangiges politisches und auch gesellschaftliches Ziel, dessen Erreichen sich aber unter Umständen auch nachteilig auf die Gesundheit der Verbraucher und unsere Umwelt auswirken kann.

Korrespondierender Autor: Prof. Dr. Manfred J. Müller (mmueller@nutrfoodsc.uni-kiel.de)

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 08/2007 auf Seite 348 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

Anzeige

Inhalte durchsuchen

Titelseite

Mehr zum Thema

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 08/2007 auf Seite 348 ff.

Blättern: Seite 347  –  Seite 352-359

Artikel-Downloads

Premium-Login

Im Premium-Bereich gelangen Sie zu den Fortbildungen und Ihren Zertifikaten.
Abonnenten haben zusätzlich Zugriff auf sämtliche Heftinhalte.

Aktionen

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.

Jobs für PTA und Apotheker

Den Stellenmarkt für PTA und Apotheker gibt es ab sofort auf jobcenter-medizin.de.