Editorial: Neue Wege

Ernährungsmitbedingte Erkrankungen nehmen in unserer Gesellschaft kontinuierlich zu. Maßnahmen zu ihrer Prävention, in aller Regel auf den individuellen Lebensstil ausgerichtet, waren bisher nur begrenzt erfolgreich. Experten sind sich einig: Erforderlich sind bevölkerungsbezogene Ansätze. Hier zeigt Public Health Nutrition Lösungsmöglichkeiten auf.

Sabine Fankhänel, ChefredakteurinVor diesem Hintergrund fordern Manfred Müller und Sandra Plachta-Danielzik in ihrem Beitrag auf S. 348 ff. neue Wege der Prävention und die weitere Entwicklung von Public Health Nutrition, um das Auftreten ernährungsabhängiger und lebensstilassoziierter Erkrankungen wirksam zu reduzieren. Der Artikel von Beate Blättner (S. 352 ff.) zeichnet die Entwicklung der Disziplin nach und beschreibt deren Vorgehensweise sowie Lösungsstrategien. Public Health Nutrition verfolgt einen sozioökologischen Ansatz; allerdings steht die Entwicklung der theoretischen Basis am Anfang. Sie nutzt die Methodik von Public Health für Fragen der ernährungsmitbedingten Gesundheit.

Zusätzlich will Public Health Nutrition dem Einfluss von Ernährung und körperlicher Aktivität auf die Gesundheit Rechnung tragen. Zwar gibt es zahlreiche (politische) Initiativen zur Förderung eines körperlich aktiven Lebensstils, aber es bestehen durchaus noch methodische Schwierigkeiten bei dessen Messung. Hier will das ALPHA-Projekt (S. 360 ff.) europaweit zu einheitlichen Verfahren gelangen, mit denen sich die körperliche Aktivität bevölkerungsrepräsentativ valide bestimmen lässt.

Den in Deutschland ersten und bisher einzigen Masterstudiengang Public Health Nutrition bietet seit einem Jahr die Hochschule Fulda an. Informationen über Entwicklung, Gestaltung und Inhalte dieses Studienangebots vermittelt das Interview mit Kathrin Kohlenberg-Müller auf S. 366 ff.

Ein weiterer Beitrag in dieser Ausgabe der „Ernährung – Wissenschaft und Praxis“ befasst sich mit dem Essverhalten Heranwachsender. Sind Stereotype wie „Jugendliche konsumieren vor allem Fast Food“ und „Jugendliche nehmen nur selten an Mahlzeiten der Familie teil“ wirklich berechtigt? Silke Bartsch geht in ihrem Artikel auf S. 368 ff. unter anderem dieser Frage nach. Sie kommt zu dem Schluss, dass Jugendliche durchaus als Trendsetter zur Veränderung unserer Esskultur beitragen.

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Gemeinsam mit der Forderung nach Ernährungsbildung an allen allgemeinbildenden Schulen (vgl. S. 380 ff.) wird für die Schulverpflegung schon lange eine qualitative Verbesserung angemahnt. Natürlich müssen die angebotenen Speisen für die Zielgruppe attraktiv sein – einige wesentliche Faktoren hierfür haben wir Ihnen in der September-Ausgabe vorgestellt. Dass die Verpflegung auch ernährungsphysiologisch ausgewogen ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber es bestehen durchaus noch Defizite. Abhilfe sollen bundesweite Qualitätsstandards schaffen, die gemeinsam vom Projekt „Schule + Essen = Note 1“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie deren Arbeitskreis Schule – Ernährung – Bildung im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erarbeitet wurden (S. 374 ff.).

Neue Wege hat auch das Zentralinstitut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung der Technischen Universität München mit der Gründung einer Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung beschritten. Auf S. 386 ff. stellen wir dieses Angebot im Bereich Ernährung, Lebensmittel und Gesundheit vor. Lesen Sie dazu auch das Interview mit der wissenschaftlichen Leiterin der Akademie Hannelore Daniel.

Ihre

Sabine Fankhänel


Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 08/2007 auf Seite 347 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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