Jugendesskultur: Jugendliche als Träger und Gestalter von Esskultur
In der öffentlichen und oft auch in der wissenschaftlichen Diskussion werden Jugendliche überwiegend als Essende von Fast Food etc. mit „unvollkommenem“ Essverhalten wahrgenommen. Mit dem Ziel, die Sicht auf jugendliches Essverhalten für die Lebensbereiche Familie und Peergroup zu differenzieren, wurde diese Außenperspektive einer Prüfung unterzogen.
Hintergrund und Fragestellung Essen wird in der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion als Totalphänomen verstanden. Lebensalters- und situationsgerechte Nährstoffbedarfe sind für die Pubertät erforscht, festgelegt und mit der aktuellen Ernährungssituation im Hinblick auf eine ausreichende Versorgung verglichen worden. Diese Erkenntnisse sind eine wichtige Grundlage für die Ernährungs- und Gesundheitsbildung; diese werden in dem hier dargestellten Zusammenhang jedoch nicht weitergehend thematisiert.
Dagegen fanden, obgleich erforderlich, soziokulturelle und (entwicklungs-) psychologische Aspekte in der Ernährungs- und Gesundheitserziehung bislang vergleichsweise wenig Beachtung. Ein Effekt bisheriger Ernährungsund Gesundheitserziehung ist das mit zunehmender Schuldauer steigende Ernährungswissen; gleichwohl bleibt das Ernährungs- und Gesundheitshandeln im Alltag davon überwiegend unbeeinflusst. In der fachdidaktischen Diskussion werden daher neuere Ansätze erörtert, die vom handelnden Menschen ausgehen und in denen eine Subjekt- und Lebensweltorientierung zunehmend wichtig sind. Entsprechend der zugrunde gelegten Herangehensweise, die natur- und kulturwissenschaftliche Zusammenhänge gleichwertig berücksichtigt, wird der Begriff „Ernährungs- und Gesundheitsbildung“ präferiert. Um dazu eine erweiterte Außensicht auf jugendliches Essverhalten zu gewinnen, rücken altersspezifische Bedeutungen des Essens aus Perspektive der Jugendlichen in den Mittelpunkt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind ein Beitrag zur Zielgruppenanalyse und damit auch der Weiterentwicklung der fachdidaktischen Diskussion.
Korrespondierende Autorin: Dr. Silke Bartsch (silke.bartsch@jugendesskultur.de)
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 08/2007 auf Seite 368 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
