Qualitätsstandards für die Schulverpflegung in der Praxis
Zu der Herausforderung, die neuen Qualitätsstandards für die Schulverpflegung in die Praxis umzusetzen, interviewten wir Prof. Ulrike Arens-Azevêdo von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Die Fragen für Ernährung – Wissenschaft und Praxis stellte Dr. Gunda Backes.
Frau Professor Arens-Azevêdo, wie zufrieden sind Sie mit der derzeitigen Schulverpflegung in Deutschland?
Einer der Gründe, die Qualitätsstandards überhaupt zu entwickeln, war die heterogene Ausgangssituation in der Schulverpflegung. Wir haben zum Teil schon sehr professionelle Lösungen, aber auch häufig sehr unprofessionelle Bedingungen, wenn zum Beispiel die Eltern mitkochen, teilweise sogar im eigenen Haushalt, was schon aufgrund der gesetzlichen Vorgaben eigentlich gar nicht sein darf. Man kann sagen, dass die Schulverpflegung in hohem Maße verbesserungswürdig ist. Die Qualitätsstandards sind wichtig als Grundlage, die Situation nachhaltig zu verbessern. Auf dieser Basis können alle Beteiligten – vom Schulleiter bis hin zu Eltern- und Schülervertretungen – sagen: Das ist ein wichtiger Meilenstein für die Umsetzung einer gesundheitsförderlichen Verpflegung.
Die Standards basieren ja auf den D-ACH-Referenzwerten. Leider ernähren sich aber nicht einmal die meisten Erwachsenen nach diesen Vorgaben. Inwieweit kann man das von den Kindern verlangen? Akzeptieren Kinder denn Gerichte wie Vollkornreis oder -nudeln?
Eine der wichtigsten Aufgaben aller Beteiligten wird es sein, Akzeptanz zu schaffen. Die Kinder kommen mit bestimmten Lebensstilen und Erfahrungen, da kann man nicht erwarten, dass sie ihr Ernährungsverhalten von heute auf morgen umstellen. Deswegen sagen wir in den Standards auch, es braucht eine Vernetzung von Ernährungsangebot und Ernährungs- und Verbraucherbildung. Das Verhalten kann in hohem Maße durch die Ernährungserziehung, die im Unterricht stattfindet, beeinflusst, Verhaltensänderungen können durch ein entsprechendes Verpflegungsangebot unterstützt werden. Man braucht einen langen Atem und es müssen gegebenenfalls geeignete Marketingstrategien überlegt werden. Die Produkte müssen aufgepeppt und für Schüler attraktiv gemacht werden.
Interview: Dr. Gunda Backes
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 08/2007 auf Seite 374 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
