Editorial: An apple a day keeps the doctor away
Dieses englische Sprichwort verdeutlicht wohl am besten, welcher gesundheitliche Wert Obst, aber auch Gemüse zugesprochen wird. Und die meisten von uns sind sicher mit dem Ratschlag – oder eher der Ermahnung? – aufgewachsen: „Iss mehr Gemüse, das ist gesund!“
Forschungsergebnisse stützen diese Empfehlung.In den letzten 20 Jahren wurden vielfältige gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe in Gemüse und Obst identifiziert und die zugrunde liegenden Wirkmechanismen beschrieben. Für zahlreiche Krankheiten, darunter bösartige Tumoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ergaben sich Hinweise, dass ein hoher Verzehr an Gemüse und Obst protektiv wirken kann. Vorrangig zum Schutz vor Krebserkrankungen wurde daher die Kampagne „5 am Tag“ ins Leben gerufen. Empfohlen wird der Verzehr von täglich 5 Portionen Gemüse und Obst bzw. 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst.
Erwachsene sollten bei einer Portionsgröße von 125 g täglich insgesamt etwa 600 bis 650 g essen, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Allerdings werden diese Mengen in Deutschland keineswegs erreicht. Vielmehr konsumierten Männer und Frauen im Jahr 1998 laut Ernährungssurvey im Durchschnitt nur etwa 350 g pro Tag. Aktuelle repräsentative Daten werden nach der Auswertung der Nationalen Verzehrsstudie II im April 2008 zur Verfügung stehen.
In letzter Zeit ist jedoch angezweifelt worden, dass Obst und Gemüse tatsächlich zur Prävention chronischer Krankheiten beitragen. Die DGE hat daher mit einem evidenzbasierten Ansatz die vorliegenden Humanstudien ausgewertet und eine Stellungnahme zur präventiven Wirkung des Gemüse- und Obstverzehrs erarbeitet (S. 410 ff.). Deutlich wird, dass die Forderung nach einer Erhöhung des Konsums aus wissenschaftlicher Sicht nach wie vor berechtigt ist, wenn auch die Evidenz für die einzelnen chronischen Krankheiten unterschiedlich ist. Allerdings scheitert die Umsetzung der wissenschaftlichen Forderungen in der Praxis meist – hier sind kreative Lösungsansätze gefragt (vgl. S. 417 und S. 421 ff.). Und häufig wird als Argument für den geringen Verzehr auch die mögliche Belastung mit unerwünschten Rückständen angeführt. Ob dies gerechtfertigt ist, erfahren Sie in dem Bericht über die DGE-Arbeitstagung auf S. 414 ff. und dem Artikel von Berger et al. (S. 402 ff.).
Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche essen zu wenig Gemüse und Obst. Das zeigt die Auswertung der Daten, die im Rahmen von EsKiMo (Ernährungsstudie als KiGGS-Modul) erhoben wurden. Damit liegen nun repräsentative Daten für den Lebensmittelverzehr und die Nährstoffversorgung der 6- bis 17-Jährigen in Deutschland vor. Ausgewählte Ergebnisse finden Sie auf S. 405 ff. Wie weit Convenience Food in der Ernährung von Kindern verbreitet ist, beschreiben Alexy et al. in dem Beitrag auf S. 396 ff.
Anknüpfend an das Leitthema der Oktober-Ausgabe „Public Health Nutrition“ stellen wir Ihnen den Nationalen Aktionsplan gegen das Übergewicht vor, den die Deutsche Adipositas-Gesellschaft vorgelegt hat (S. 418 ff.). Außerdem finden Sie auf S. 430 ff. einen Bericht über die Summer School „EU Basics in Public Health Nutrition“, die seit 1999 im Rahmen des internationalen Masterstudiengangs „Public Health Nutrition“ durchgeführt wird. In diesem Jahr fand die Präsenzphase erstmals in Deutschland, an der Justus-Liebig-Universität Gießen, statt. Lesen Sie dazu auch das Interview mit 2 Teilnehmerinnen.
Ihre
Sabine Fankhänel
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 09/2007 auf Seite 395 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
