Editorial: Problem Lebensmittelallergie
Das kann ich nicht essen, dagegen bin ich allergisch: Hören Sie dies auch immer häufiger in Ihrem Familien- und Freundeskreis oder von Ihren Klienten bzw. Patienten? Kein Zweifel, die Zahl der Menschen, die auf den Verzehr bestimmter Lebensmittel mit einer Unverträglichkeit reagiert, ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich angestiegen. Allerdings halten viele Personen auch ein striktes Diätregime ein, ohne dass bei ihnen eine Lebensmittelallergie bzw. -unverträglichkeit jemals eindeutig diagnostiziert wurde.
Für diese Ausgabe der „Ernährung – Wissenschaft und Praxis“ haben wir einige interessante Aspekte zum vielschichtigen Zusammenhang von Allergien und Lebensmitteln ausgewählt. Zwar ist nur der Begriff Lebensmittel rechtlich eindeutig definiert, dennoch wird gerade im Zusammenhang mit Allergien häufig der Begriff Nahrungsmittel verwendet – so auch bei unserem Themenschwerpunkt.
Einführend gibt Torsten Schäfer einen Überblick zur Epidemiologie von Lebensmittelallergien bzw. -unverträglichkeiten in Europa (S. 4 ff.). Die Prävalenz, die aufgrund von Eigenangaben in Einzelstudien ermittelt wurde, reicht von 2,1% für Kinder in Frankreich bis zu 35% für Erwachsene in Berlin. Auf Testergebnissen basierende Schätzungen der Prävalenz liegen dagegen zwischen 0,1% und 4,2%.
Repräsentative Daten erwartet man vom Forschungsprojekt EuroPrevall – The prevalence, cost and basis of food allergy across Europe –, über das wir Sie ab S. 22 informieren. Mit Hilfe vielfältiger Forschungsaktivitäten soll die Lebenssituation der Betroffenen verbessert werden. In Deutschland hat die Bundesregierung einen Aktionsplan gegen Allergien initiiert und fördert innovative (Forschungs-)Vorhaben zur Prävention von Lebensmittelallergien und -unverträglichkeitsreaktionen (S. 28 ff.).
Parallel zum Anstieg der Pollenallergien wird eine deutliche Zunahme pollenassoziierter Lebensmittelallergien beobachtet. Barbara Ballmer-Weber fasst in ihrem Beitrag (S. 10 ff.) den derzeitigen Kenntnisstand zusammen.
Einen Überblick über die Klinik, Prävalenz, Diagnostik und den Kostaufbau bei pseudoallergischen Reaktionen vermittelt ab S. 16 der Beitrag von Imke Reese. Eine Lebensmittelallergie als Ursache ihrer Erkrankung vermuten auch viele Neurodermitiker und halten daher strenge Diätempfehlungen ein. Ob das notwendig ist, erfahren Sie auf S. 26 in dem Interview mit Christiane Binder.
Ergänzend zu dem Themenschwerpunkt stellen wir Ihnen in der Rubrik „Für Sie gelesen“ die Leitlinie „Risikoadjustierte Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen“ vor, die Ende letzten Jahres vorgestellt wurde. Einerseits sind kardiovaskuläre Erkrankungen immer noch die häufigste Ursache für vorzeitige Invalidität und Tod, andererseits ließen sich durch eine erfolgreiche Umstellung des Lebensstils mindestens 50% dieser Erkrankungen vermeiden. In dem Beitrag auf S. 30 ff. sind die evidenzbasierten Empfehlungen zu den Bereichen Ernährung, körperliche Aktivität, Übergewicht bzw. Adipositas und Rauchen zusammengefasst. Wie sich eine dauerhafte Änderung des Lebensstils erreichen lässt, wurde auch anlässlich der Konferenz „Ernährung, Genuss, Gesundheit“ des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde Anfang Dezember 2007 in Berlin diskutiert (vgl. S. 33 ff.). Kindern Interesse und Spaß an einem gesunden Lebensstil zu vermitteln, ist ein Ziel des Projektes „ScienceKids – Kinder entdecken Gesundheit“, das von der AOK Baden-Württemberg für Schüler der dritten und vierten Grundschulklasse initiiert wurde. Nach Durchführung und Auswertung der Pilotphase informieren wir Sie auf S. 36 ff. über die ersten Ergebnisse.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre der Januar-Ausgabe der „Ernährung – Wissenschaft und Praxis“.
Ihre Sabine Fankhänel
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 01/2008 auf Seite 3 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
