Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien

Die Zahl der von einer Pollenallergie Betroffenen hat während der letzten 100 Jahre um ein Vielfaches zugenommen. In Zentral- und Nordeuropa sind heute bis zu 20% der Bevölkerung von einer Pollinosis betroffen. Wenn auch genaue epidemiologische Daten fehlen, zeigt die tägliche Praxis parallel dazu eine deutliche Zunahme der pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie. Zudem weitet sich das Spektrum der verantwortlichen allergenen Nahrungsmittel kontinuierlich aufgrund der sich stetig verändernden Essgewohnheiten aus.

Früchte, Gemüse und Nüsse gehören zu den häufigsten Auslösern einer Nahrungsmittelallergie im Erwachsenenalter. Meistens liegt diesen allergischen Reaktionen eine primäre Sensibilisierung gegen verschiedene Pollen zugrunde. Zirka 15–20% der Bevölkerung in Zentraleuropa leiden unter einer Pollenallergie, und 50–93% aller Birkenpollenallergiker entwickeln eine Allergie gegen pollenassoziierte allergene Nahrungsmittel.

Auf molekularer Ebene beruht die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie auf einer Kreuzreaktion von humanen IgE-Antikörpern, die gegen Pollenallergene gerichtet sind, mit homologen Allergenen in pflanzlichen Nahrungsmitteln. Mit anderen Worten erfolgt die Sensibilisierung auf Nahrungsmittelallergene nicht oral wie beim Kind, sondern als Folge einer respiratorischen Sensibilisierung, die der Nahrungsmittelallergie vorausgeht.

Die Nahrungsmittelallergien, die auf einer Sensibilisierung gegen Birkenpollen beruhen, sind am besten untersucht. Eriksson et al. veröffentlichten 1982 eine Übersicht über die häufigsten Nahrungsmittel, die orale Beschwerden bei 380 Birkenallergikern hervorriefen. Als Auslöser wurde in erster Linie Haselnuss (53%) beschrieben, daneben Apfel (47%), Pfirsich (34%), Kirsche (29%), Mandel (27%), Walnuss (26%), Birne (26%), Karotte (23%), Pflaume (21%), Paranuss (20%) und Erdnuss (14%).

Andere Autoren fanden leicht abweichende Prozentzahlen. Etesamifar und Wüthrich untersuchten die Krankengeschichten von 383 Patienten, die gegen mindestens 1 Nahrungsmittel allergisch waren, und fanden die folgenden Prävalenzraten: für Haselnuss 36,8%, Sellerie 36,3%, Apfel 25,6%, Karotten 24,8%, Erdnuss 12,8%, Mandel 10,7%, Pfirsich 10,2%, Soja 9,1%. Auffallend an dieser Studie war die hohe Prävalenz einer Sellerieallergie, zumal in anderen Untersuchungen Allergien gegen dieses Nahrungsmittel nur selten erwähnt wurden.

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Dieses Phänomen beruht am ehesten auf unterschiedlichen nationalen Ernährungsgewohnheiten. So konnten im Rahmen eines kürzlich durchgeführten EU-Projektes (FAIR), bei dem Patienten an 3 klinischen Zentren (Mailand, Kopenhagen, Zürich) eingeschlossen wurden, in jedem Zentrum Patienten mit Haselnussallergie rekrutiert werden, aber nur in der Schweiz wurden Patienten mit einer Sellerieallergie identifiziert. Sellerieallergiker werden zudem in Frankreich und Deutschland gefunden, kaum aber in Mittelmeerländern oder Skandinavien.

Heute beobachten wir eine zunehmende Ausweitung des Spektrums an verantwortlichen allergenen Nahrungsmitteln. Insbesondere bei Birkenpollenallergikern registrieren wir eine Zunahme an allergischen Reaktionen z. B. auf Kiwi, Soja oder Erdnuss.

Korrespondierende Autorin: Barbara Ballmer-Weber (barbara.ballmer@usz.ch)

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 01/2008 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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