Pseudoallergische Reaktionen: Eine aktuelle Standortbestimmung aus Sicht der Diätetik

Ein Drittel der deutschen Bevölkerung glaubt, an Nahrungsmittelallergien zu leiden. Faktisch sind allergische Reaktionen aber nur bei etwa 10% dieser Personen nachzuweisen. Daraus ist jedoch nicht zu schließen, dass die übrigen 90% keine Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufweisen.

Nichtallergische Pathomechanismen umfassen Enzymdefekte, Malabsorptionen, toxische Reaktionen, Aversionen und auch pseudoallergische Reaktionen. Letztere sind am schwierigsten zu diagnostizieren, da objektive Testparameter nicht vorhanden bzw. für die Routinediagnostik zu aufwendig sind und daher wissenschaftlichen Fragestellungen vorbehalten bleiben.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden als Ursache für eine Vielzahl von akuten, vor allem aber chronischen Beschwerden angenommen. Aus Laiensicht handelt es sich dabei vorrangig um Allergien, wobei diese Diagnose nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen gesichert werden kann. Der Oberbegriff Nahrungsmittelunverträglichkeit umfasst aber eine ganze Bandbreite von Pathomechanismen, denen definitionsgemäß gemeinsam ist, dass sie eine reproduzierbare Gesundheitsstörung nach Verzehr eines Lebensmittels oder mehrerer Lebensmittel darstellen.

Nach der aktuellen Einteilung der Europäischen Akademie für Allergologie und klinische Immunologie (EAACI) wird zwischen toxischen Reaktionen, Enzymdefekten, Malabsorptionen, psychosomatischen Reaktionen und Hypersensitivitäten unterschieden. Die Hypersensitivitäten unterteilen sich in allergische und nichtallergische Reaktionen, die nach Verzehr von Lebensmitteln auftreten. Unter den nichtallergischen Hypersensitivitäten werden allergieähnliche Reaktionen zusammengefasst, die ohne eine immunologische Beteiligung ablaufen. Diese Reaktionen sind bisher mit dem Begriff der Pseudoallergie betitelt worden und werden im folgenden Text auch weiter so benannt.

Unklar ist nach derzeitigem Wissensstand, ob Unverträglichkeiten nach Verzehr einer Kost, die reich an biogenen Aminen ist, den Pseudoallergien zuzuordnen sind oder ob es sich um eine Abbaustörung durch Diaminoxidasemangel und damit um einen Enzymdefekt handelt. Diesem Umstand hat die DGE-Arbeitsgruppe „Diätetik in der Allergologie“ Rechnung getragen, indem sie das Schaubild der EAACI nicht nur übersetzt, sondern auch leicht modifiziert hat.

Korrespondierende Autorin: Imke Reese (info@ernaehrung-allergologie.de)

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 01/2008 auf Seite 16 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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