Diätempfehlungen bei Neurodermitis

(sf) Die atopische Dermatitis, häufig auch als Neurodermitis bezeichnet, gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen. Fast 10 Prozent aller Kinder leiden zeitweilig daran, von den Erwachsenen sollen in den westlichen Industriestaaten etwas 3,5 Prozent betroffen sein. Häufig werden bei Neurodermitis strenge Diätempfehlungen ausgesprochen. Dazu befragten wir Christiane Binder, die seit 16 Jahren in der Kinderklinik der Charité arbeitet und dort an Neurodermitis erkrankte Kinder und ihre Eltern berät.

Frau Binder, in den Medien sind häufig Diätempfehlungen für Menschen mit einer atopischen Dermatitis zu finden. Wie sind diese zu beurteilen?

Pauschale Ernährungsempfehlungen bei Neurodermitis sind weit verbreitet. Dazu zählen beispielsweise Ratschläge wie kein Schweinefleisch, keine Zitrusfrüchte, keine Schokolade, keine Süßigkeiten, keinen Zucker, keine Tomaten und keine Erdbeeren zu essen. Für Säuglinge mit Neurodermitis finden sich häufig zusätzliche Ernährungsempfehlungen wie keine Kuhmilch, keinen Weizen bzw. kein Gluten, keine Sojamilch, keinen Fisch, keine Nüsse und keine Karotten im 1. Lebensjahr zu geben.

Solche angeblichen Tipps zur Ernährung bei Neurodermitis erscheinen fast täglich in Beiträgen der Yellow Press und werden immer wieder in zahlreichen Büchern veröffentlicht. Gleichzeitig werden sie aber auch von Verwandten und Freunden, Ärzten, Heilpraktikern und Homöopathen, Hebammen, Apotheken, Naturkostläden, Reformhäusern und auch durch die Gesundheitsberatung im Internet von sog. Ernährungsberatern an die Eltern betroffener Kinder und die Betroffenen selbst herangetragen.

Sehr selten sind diese Empfehlungen evidenzbasiert. Oft beruhen sie auf Ratschlägen aus der Praxis, Erfahrungen von Patienten und selbst aufgestellten Hypothesen.

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Was steckt hinter diesen Ratschlägen?

Viele Betroffene sind überzeugt davon, dass allergische Reaktionen gegen Lebensmittel ihr Ekzem auslösen oder unterhalten können und die Ernährung bzw. die Nahrungsmittelallergie direkt mit der Neurodermitis verknüpft ist. Die Veränderung der Kost ermöglicht es ihnen, vermeintlich in das Geschehen einzugreifen. Die Konsequenz einer eingeschränkten Diät ist den meisten nicht bewusst. Ein Arzt, der keine konkreten diätetischen Hinweise bei Neurodermitis gibt, wirkt für viele Patienten oder Eltern nicht kompetent. Daher werden Diätempfehlungen oft verallgemeinert. Dann heißt es: keine Kuhmilch, keine Eier, keinen Fisch, keine Nüsse, keine Säuren.

Redaktion

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 01/2008 auf Seite 26 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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