Ernährungsweise und -zustand von Nürnberger Grundschulkindern

Kinderarmut hat in den letzten Jahren in Deutschland zugenommen. Ziel der vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz geförderten Studie ist es, aufzuzeigen, inwieweit sich das Ernährungs- und Gesundheitsverhalten sowie der Ernährungs- und Gesundheitszustand von Schülern der vierten Klasse aus Familien mit unterschiedlichem sozioökonomischem Status (SES) in Nürnberg unterscheidet. Aus den Ergebnissen lassen sich Empfehlungen für zielgruppenspezifische Ernährungsbildungsprogramme ableiten.

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Die Anzahl von Familien mit einem Einkommen, das unterhalb des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens liegt, ist in Deutschland höher, als allgemein angenommen wird. Besonders alarmierend ist die zunehmende „Infantilisierung von Armut“. Etwa jedes sechste Kind wächst in Armut auf. Gemäß den vom Statistischen Amt der EU (EUROSTAT) empfohlenen Schwellenwerten gilt als arm, wer in einem Haushalt lebt, dessen Äquivalenzeinkommen weniger als 60% des Medians der Einkommen in der gesamten Bevölkerung beträgt.

Eine bundesweit durchgeführte Studie des Bundesverbands der Arbeiterwohlfahrt belegt, dass Kinder, die in Armut aufwachsen, häufiger gesundheitliche Probleme aufweisen als Kinder, die nicht von Armut betroffen sind. Aktuelle Ergebnisse des nationalen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) zeigen im Einklang mit internationalen Studien, dass sozial benachteiligte Kinder besonders häufig von Übergewicht und Adipositas betroffen sind. Gleichzeitig scheint diese Gruppe weniger erfolgreich auf Gewichtsreduktionsprogramme zu reagieren, wie Ergebnisse der Kieler Obesity Prevention Study (KOPS) zeigen.

Soziale Differenzen sind nicht nur im Bereich der Ernährung erkennbar, sondern auch im Hinblick auf eine verringerte körperliche Aktivität, einen gesteigerten Medienkonsum und eine vernachlässigte Zahnpflege in Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status (SES).

Daher ist es bei der Konzipierung von Untersuchungen zum Ess-, Trink- und Bewegungsverhalten von Kindern und Heranwachsenden bedeutsam, komplementär zu Verzehrsdaten auch ernährungsphysiologische Untersuchungsschritte und verhaltenswissenschaftliche Aspekte zu erfassen. Die Befunde derartiger Untersuchungen bieten die Basis dafür, möglichst frühzeitig verhaltens- und verhältnisorientierte Ernährungsbildungsprogramme zu etablieren, die speziell auf Kinder und deren Familien mit niedrigem SES ausgerichtet sind.

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Wie vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen seit 2005 gefordert wird, sollte dabei das Prinzip des „social marketing“ aufgegriffen werden: eine klare Definition der Zielgruppe unter Berücksichtigung von unterschiedlichen sozialen Gegebenheiten.

Darüber hinaus weisen bisherige Studien zur Ernährung bei Kindern darauf hin, dass das „misreporting“ eine bedeutende Fehlerquelle in Verzehrserhebungen darstellt. Diese Tatsache steht einerseits in Zusammenhang mit kognitiven Fähigkeiten und dem Erinnerungsvermögen von Studienteilnehmern, andererseits aber auch mit sozial erwünschtem Antwortverhalten. Daher bedarf es der Konzeption innovativer und zielgruppengerechter Erhebungsinstrumente.

Korrespondierende Autorin: Dipl. oec. troph. Carina Walter (leonhaeuser-ebvv@ernaehrung.uni-giessen.de)

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 02/2008 auf Seite 58 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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