Der Einfluss sozialer Ungleichheiten auf die Gesundheit

Obwohl sich der Gesundheitszustand gesamtgesellschaftlich gesehen zum Positiven verändert, verbessert sich die Situation der sozial schlechter gestellten Menschen nur langsam. Die Frage, ob sich Menschen unterer sozialer Schichten ungesünder verhalten oder das geringere Einkommen Grund dafür ist, dass sie unter ungesünderen Bedingungen leben, ist so einfach nicht zu beantworten.

Gesundheitliche Ungleichheiten sind kein neues Phänomen. Sie wurden bereits im 19. Jahrhundert in England, Frankreich und Deutschland beschrieben. Durch die Verbesserung des Lebensstandards und durch Public-Health-Maßnahmen konnten sie verringert werden. Seit Ende des 20. Jahrhunderts kommt es allerdings wieder zu einer gegenläufigen Entwicklung.

Die Kluft zwischen besser und schlechter gestellten sozialen Schichten innerhalb einzelner Gesellschaften – insbesondere der ungleiche Zugang zur Gesundheitsversorgung –, aber auch die Kluft zwischen ärmeren und reicheren Ländern nimmt zu. Zum anderen ist Chancenungleichheit ein Querschnittsthema, das zwischen den Generationen und zwischen den Geschlechtern in der gesundheitlichen Versorgung auftritt. Chancengleichheit bestünde dann, wenn Menschen unabhängig von sozialem Status, nationaler Zugehörigkeit, Ethnie, Generation, Alter und Geschlecht gesund bleiben und sind.

Begriffsbestimmungen

Soziale Benachteiligung entsteht dort, wo die Ausgangsbedingungen für die persönliche und soziale Entwicklung beeinträchtigt sind. Diese sind abhängig von der gegebenen gesellschaftlichen Situation und den damit verbundenen individuellen Möglichkeiten. Zu den Indikatoren für die Beurteilung von sozialen Ungleichheiten werden Einkommenshöhe (Wohlstand, Geld), beruflicher Status/Prestige/Macht (Stellung in der Berufshierarchie) und Schulbildung (Bildungsabschluss) gezählt.

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Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass jeder dieser Indikatoren Schwächen aufweist: So werden etwa im Hinblick auf die Einkommenshöhe häufig unvollständige Angaben gemacht. Gilt die Schulbildung als relativ stabiler Indikator, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die ältere Bevölkerung in der Regel eine einfachere Schulbildung hat als die jüngere und bei einer Erhebung das Alter und nicht die Stellung in der Bildungshierarchie zum Ausdruck kommt.

Auch der Indikator Berufsstellung ist nur bedingt anwendbar, da beispielsweise die Gruppe der Rentner, der Studenten und Studentinnen oder der Arbeitslosen nur mit „… fragwürdigen Hilfskonstruktionen den einzelnen Berufsstatusgruppierungen zugeordnet werden“ kann.

Mit Hilfe der oben genannten Faktoren werden mittels statistischer Verfahren Schichtindizes gebildet, z. B. der Index von J. Winkler oder der Index von U. Helmert. Diese unterscheiden sich in der Bewertung der einzelnen Indikatoren. Der „Soziale-Schicht-Index“ eignet sich gut, um sich ein umfassendes Bild vom sozialen Status zu machen und allgemeine Aussagen über Zusammenhänge von Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht und Armut zu treffen.

Korrespondierende Autorin: Dr. Sonja Schuch (sonja@schuch.tk)

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 02/2008 auf Seite 52 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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