Interview: Ines Heindl im Gespräch
Krankheiten, die eng mit dem Risikofaktor „Übergewicht durch Überernährung“ verknüpft sind, haben in Europa epidemische Ausmaße angenommen. Lebensstil und soziales Umfeld können ihren Teil dazu beitragen. Über Ernährung, Gesundheit und soziale Ungleichheit sprachen wir mit Prof. Dr. Ines Heindl, Institut für Ernährung und Verbraucherbildung der Universität Flensburg.
Ines HeindlFrau Professorin Heindl, ein Lebensstil, unter anderem geprägt durch übermäßiges Essen und Trinken sowie fehlende Bewegung führt zu Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, KHK, Diabetes und Krebs. Warum beobachten wir bei immer mehr Kindern und Jugendlichen, aber auch bei vielen Erwachsenen, solche gesundheitlich riskante Lebensstile?
Deutschland lebt wie andere Gesellschaften in einem Nahrungsüberfluss, von dem unterschiedliche Interessengruppen profitieren. Gleichzeitig vertraut diese Gesellschaft darauf, dass die Fähigkeiten, mit diesem Übermaß an Nahrung, Essen und Ernährungsinformationen etc. umzugehen, vor allem im Privaten, also in den Familien, erlernt werden. Nun versagen viele Familien und aus den „Pathologien des Sozialen“ entstehen riskante Lebensstile, die zentrale Lebensaktivitäten wie Essen, Trinken, Bewegung, Sexualität betreffen und unreflektierter Teil einer etablierten Alltagskultur sind.
Was charakterisiert diese Lebensstile?
Riskante Lebensstile haben kurzfristig positive, verstärkende Wirkungen von Spaß und Genuss und erzeugen positive Gefühle, die sozial geteilt werden. Auswirkungen einer Lentiproblematik, also Langzeitproblematik, werden dabei nicht erkannt: Folgen zeigen sich meist nicht unmittelbar, sie entstehen unmerklich in einem langsamen Prozess. Nicht selten trifft dies zusammen mit der Haltung eines „unrealistischen“ Optimismus: Mir passiert schon nichts.
Redaktion
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 02/2008 auf Seite 68 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
