Die Tafel – Brücke zwischen Mangel und Überfluss

In Deutschland leben über 10 Mio. Menschen in Armut oder sind unmittelbar davon bedroht. Vor allem im letzten Monatsdrittel fällt es den meisten schwer, eine angemessene Ernährung sicherzustellen. Viele sind dann auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Ein Beispiel für ein solches Hilfsangebot sind Tafeln. Bei diesen ist seit einigen Jahren in Deutschland ein starker Aufwärtstrend zu verzeichnen.

Foto: Bv. Deutsche Tafel e.V.

Mittlerweile gibt es 752 Tafeln (Stand: 17.01.2008). Bundesweit werden so regelmäßig rund 700.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt, 40% mehr als noch im Jahr 2005. Mit Hilfe der jährlich etwa 120.000 Tonnen gespendeten Lebensmittel können die Tafeln, je nach Spendenlage, zu gut einem Viertel zum wöchentlichen Lebensmittelbedarf der Bedürftigen beitragen.

Wer unter Einkommensarmut leidet, benötigt den größten Teil seines Geldes für die Absicherung elementarer Lebensbedürfnisse. Viele verzichten bei knappem Budget am ehesten auf den Kauf bestimmter Lebensmittel, da meist nur bei der Nahrung größere Posten eingespart werden können. Als Luxus gilt oft schon das, was für die Mehrheitsgesellschaft die Alltagskost darstellt. Auf Fleisch wird meist ganz verzichtet. Frisches Obst ist selbst im Sommer noch zu teuer und auch Grundnahrungsmittel wie Milch gehören oft zu den Luxusgütern.

Noch schwieriger ist die Situation, wenn die Ernährung weder in ihrer Quantität noch in ihrer physiologischen und hygienischen Qualität bedarfsdeckend ist, sei es durch einen Mangel an Mitteln zum Erwerb von Lebensmitteln (Geld, andere Zugangsberechtigungen) oder durch einen Mangel an Nahrung selbst (fehlende Lebensmittel, fehlende Distributionswege). Die negativen Folgen für die Betroffenen sind Hunger und Fehlernährung.

Mit dem Angebot der Tafeln soll wirtschaftlich benachteiligten Menschen geholfen werden, Notzeiten zu überbrücken. Die erste Tafel wurde 1963 von John van Hengel in Phoenix, USA, gegründet. In Deutschland rief die Initiativgruppe Berliner Frauen e. V. 1993 die erste Tafel ins Leben.

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Die Idee, die dahinter steckt, ist einfach: Auf der einen Seite gibt es Lebensmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, aber qualitativ noch einwandfrei sind. Dazu zählen beispielsweise Brötchen, Brot und Kuchen vom Vortag, Milch und Milchprodukte kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, Obst und Gemüse (z. B. mit Druckstellen), Fehlabfüllungen usw.

Auf der anderen Seite gibt es Bedürftige, die diese Lebensmittelhilfe gebrauchen können. Die Tafeln bemühen sich hier mit ehrenamtlichen Helfern um einen Ausgleich.

Redaktion

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 02/2008 auf Seite 70 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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