Editorial: Du bist, was Du isst
Mit diesem eingängigen Slogan sind in den letzten Jahren sehr erfolgreich Ernährungsratgeber verkauft worden. Und die Zuschauer der gleichnamigen Doku-Soap konnten am Bildschirm verfolgen, ob die Kandidaten die Ratschläge der Ernährungsexpertin annahmen und ihre Ernährungs- und Gesundheitsprobleme in den Griff bekamen. Aber ist es wirklich so einfach, Ernährungswissen langfristig erfolgreich umzusetzen?
Mit dieser Frage befassen sich die Beiträge zum Leitthema „Bildung“. Denn die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln, die sich trotz – schulischer und außerschulischer – Ernährungs- und Gesundheitsbildung beobachten lässt, wird immer wieder beklagt. Diese versuchen neue Unterrichtskonzepte basierend auf dem REVIS-Konzept durch einen verstärkten Anwendungsbezug zu verringern. Silke Bartsch beleuchtet in ihrem Beitrag (S. 100 ff.), ob Subjektorientierung als didaktisches Prinzip geeignet ist, ein kompetenzorientiertes, salutogenetisches und lebensbegleitendes Lernen bei Jugendlichen zu fördern. In der Diskussion um eine zeitgemäße Ernährungsbildung für Erwachsene findet sich ebenfalls häufig die Forderung nach Food Literacy, also der Fähigkeit zu einem selbstbestimmten, verantwortungsbewussten und genussvollen Ernährungshandeln. In Deutschland wird dieser methodische Ansatz zunehmend genutzt. Lesen Sie dazu das Interview mit Margret Büning-Fesel, die an einem europäischen Food-Literacy-Projekt beteiligt war (S. 107 ff.).
Neben den Beiträgen zum Leitthema finden Sie in dieser Ausgabe unter anderem eine Übersicht zu Störungen der Kohlenhydratverdauung. Die häufig unspezifischen Beschwerden erschweren in vielen Fällen eine eindeutige Diagnose. Über das therapeutische Vorgehen bei Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption und Sorbitunverträglichkeit informiert der Beitrag auf S. 110 ff.
Den neuen Forschungsbereich der Nutriepigenetik stellen Dahlhoff et al. in einer umfangreichen Übersicht vor (S. 116 ff.). Die Epigenetik befasst sich mit den molekularen Mechanismen, die eine vererbbare Genregulation ermöglichen, ohne die entsprechende DNS-Sequenz zu verändern. Zunehmend gibt es Hinweise dafür, dass die Ernährung in epigenetische Mechanismen eingreifen und so als Umweltfaktor die Ausprägung des Phänotyps beeinflussen kann.
Mitte Februar fand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ein Symposium zum Diabetes mellitus Typ 2 statt. Einige Aspekte der Veranstaltung haben wir für Sie in einem Bericht (S. 126 ff.) zusammengefasst. Lesen Sie außerdem ab S. 130 das Interview mit Hans-Ulrich Häring zur genetischen Disposition für einen Typ-2-Diabetes.
Du bist, was Du isst? Diese Frage würden viele ältere Menschen vermutlich bejahen. Denn gerade für sie ist genussvolles Essen ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität. Gleichzeitig nimmt aber mit steigendem Lebensalter die Zahl der Menschen mit einer Mangelernährung deutlich zu, die wiederum Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Das Wohlbefinden und die Gesundheit der Senioren durch eine altersgemäße Ernährung zu verbessern, war Ziel des europäischen Projekts Nutri-Senex. In dem Bericht ab S. 137 stellen wir das Forschungsvorhaben vor.
Und was halten Sie von dem Slogan „Du bist, was Du isst“? Gern würden wir Ihre Ansicht dazu erfahren. Mailen Sie uns unter ernaehrung@springer-gup.de.
Ihre Sabine Fankhänel
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 03/2008 auf Seite 99 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
