Food Literacy: Ein Gespräch mit Margret Büning-Fesel

Food Literacy wird seit einiger Zeit häufig in Zusammenhang mit der Diskussion um eine zeitgemäße Ernährungsbildung für Erwachsene genannt. Aber was ist darunter zu verstehen?

Margret Büning-FeselMargret Büning-Fesel

Hierüber sprachen wir mit Dr. Margret Büning-Fesel, Geschäftsführender Vorstand des aid infodienst. Der aid war, zusammen mit der Universität Kassel, als deutscher Partner an einem Projekt zu Food Literacy im Rahmen des europäischen Programmes GRUNDTVIG beteiligt.

Frau Dr. Büning-Fesel, der Begriff „Literacy“ wird in den letzten Jahren immer häufiger im Zusammenhang mit Ernährung verwendet. Was versteht man eigentlich unter Literacy und was ist dann Food Literacy?

Die ursprüngliche Bedeutung von Literacy in der Erwachsenenbildung bezieht sich auf die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können. Der Begriff Literacy umfasst aber noch mehr, zum Beispiel die Fähigkeit, seine Gedanken schriftlich ausdrücken und Textzusammenhänge verstehen zu können.

In diesem Sinne ist auch Food Literacy zu verstehen. Nach der Definition ist „Food Literacy die Fähigkeit, den Ernährungsalltag selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und genussvoll zu gestalten.“ Es geht also nicht nur darum, Lebensmittel zu kennen und damit umgehen zu können, sondern auch um das Verständnis der Zusammenhänge beim Ernährungshandeln. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, auch das Genießen können mit zu berücksichtigen.

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Wie unterscheidet sich dieser neue Ansatz von dem bisher üblichen in der Ernährungsaufklärung und -bildung?

Das zentrale Anliegen von Food Literacy ist es, Menschen für das Thema Essen zu sensibilisieren. Food Literacy will nicht primär „gesunde Ernährung“ thematisieren, es geht nicht um Ernährungserziehung. Vielmehr soll das Thema „Essen“ als Vehikel genutzt werden, um Gruppenprozesse positiv zu gestalten. So lassen sich beispielsweise sehr gut kulturelle und soziale Unterschiede in Sprachkursen mit Migranten überwinden. Als erwünschter Nebeneffekt wird dabei das Bewusstsein für Ernährung gefördert.

Ernährung wird ja normalerweise nur in speziellen Kursen und meistens im Zusammenhang mit Gesundheit thematisiert. So erreicht man aber nur bereits Interessierte. Mit Food Literacy soll das Thema in ein breites Spektrum von Angeboten der Erwachsenenbildung gelangen, z. B. in Alphabetisierungskurse, Integrationsmaßnahmen, Sprachkurse oder Angebote zur politischen Bildung.

So sollen auch Menschen erreicht werden, die sich normalerweise nicht für Ernährung interessieren. Da es um das Essen und nicht in erster Linie um gesunde Ernährung geht, können sie sich unbeschwert auf das Thema einlassen. Denn schließlich können beim Essen alle mitreden, weil es jeden betrifft.

Welche Ziele hat Food Literacy? Wie muss die Ernährungsbildung gestaltet werden, um diese zu erreichen?

Redaktion

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 03/2008 auf Seite 107 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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