Genetik und Pathophysiologie des Typ-2-Diabetes
Am 14. und 15. Februar kamen in Potsdam-Rehbrücke auf Einladung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) mehr als 200 Wissenschaftler und Mediziner zusammen, um die genetischen Ursachen des Typ-2-Diabetes und Mechanismen der Diabetesentstehung zu diskutieren.
Das Symposium fand unter dem Titel Genetics and Pathophysiology of Type 2 Diabetes statt. Im Mittelpunkt der begleitenden Pressekonferenz standen die Themen Prävention, Nahrungsergänzungsmittel und neue Therapieansätze bei Typ-2-Diabetes. Eine Auswahl interessanter Aspekte wird im Folgenden dargestellt.
In Deutschland leiden über 7% der Menschen an einem Typ-2-Diabetes. Bis zum Jahr 2010 wird sogar ein Anstieg auf 10% prognostiziert. Damit zählt der Typ-2-Diabetes zu den häufigsten, gleichzeitig aber auch den teuersten chronischen Erkrankungen. Denn die direkten Kosten für die Behandlung von Diabetikern beliefen sich nach der CoDiM-Studie (Studie Costs of Diabetes Mellitus) im Jahr 2001 alleine in Deutschland auf 30,6 Mrd. EUR. Das entspricht 14,2% der nationalen Gesundheitsausgaben. Diese Daten zeigen die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen, zum einen um individuelles Leid zu verhindern, zum anderen um das Gesundheitswesen von Kosten zu entlasten.
Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist unbemerkt und schleichend über Jahre hinweg, wobei schon sehr früh Gefäße und Augen geschädigt werden können. Schwere Folgeschäden sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blindheit, Amputationen von Gliedmaßen oder Nierenversagen. Bereits im Vorstadium einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung reagieren die Körperzellen immer schlechter auf Insulin. Sie werden „insulinresistent“ und können keine Glukose mehr aufnehmen. Dadurch steigt der Glukosespiegel und die Energieversorgung der Körperzellen lässt nach.
Zu Beginn der Erkrankung gleicht der Körper die mangelnde Insulinempfindlichkeit der Zellen noch durch eine erhöhte Insulinproduktion aus. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung versagen aber auch die Insulin produzierenden Zellen des Pankreas und die Insulinsekretion nimmt ab. Zur Energiegewinnung baut der Körper dann verstärkt Fettgewebe ab und bildet Ketonkörper. Dies kann zu schweren Stoffwechselstörungen wie dem diabetischen Koma führen.
Für die Krankheitsentstehung sind vor allem äußere Faktoren wie der Lebensstil und die Ernährung entscheidend. Als Hauptrisikofaktor gilt das Übergewicht, denn allein dadurch kann sich das Diabetesrisiko um das 4- bis 30fache erhöhen. Da besonders in Ländern mit westlichem Lebensstil die Zahl übergewichtiger Menschen ständig ansteigt, ist damit auch eine Zunahme von Diabetesfällen verbunden.
Aber auch die genetische Prädisposition beeinflusst die Entstehung eines Diabetes. Für Personen, deren nahe Verwandte an Diabetes erkrankt sind, steigt das Risiko alleine durch das Verwandtschaftsverhältnis um das 3,5fache an.
Andere Parameter, die das Diabetesrisiko beeinflussen, sind der Verzehr von Vollkornbrot, von rotem Fleisch und Kaffee. Zudem spielen der Raucherstatus und die körperliche Aktivität eine Rolle.
Zusätzlich helfen Biomarker wie Blutdruckwerte, der HbA1c-Wert, der Adiponektinspiegel und die Serumspiegel von Entzündungsmediatoren bei der Bestimmung des Erkrankungsrisikos.
Korrespondierende Autorin: Dr. Gunda Backes (info@nutricomm.de)
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 03/2008 auf Seite 126 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
