Editorial: Qualität ist gefragt
Derzeit erlebt die Ernährungsberatung einen Boom – immer mehr Menschen wollen mit professioneller Unterstützung ihre Ernährungsprobleme, d. h. in aller Regel ihr Übergewicht, in den Griff bekommen. In den letzten Jahren ist in Deutschland daher ein äußerst vielfältiger Markt entstanden: Da gibt es Einzelberater, die sich teilweise in Netzwerken zusammenschließen, Firmen bzw. (Franchise-)Ketten mit und ohne Produktverkauf, aber auch Konzepte zur reinen Online-Beratung. Den Ratsuchenden verunsichert die Vielfalt häufig.
Wie kann sich in dieser Situation die qualifizierte Ernährungsberatung deutlich von anderen, mehr oder weniger seriösen Angeboten abheben und zugleich Aufmerksamkeit erzielen? Überlegungen und Anregungen für eine eindeutige Positionierung vermittelt der Beitrag von Andrej Hänel und Gesa Schönberger auf S. 169 ff.
Nicht selten finden sich in der Ernährungsberatung auch Klienten mit Symptomen, die auf eine Anorexia oder Bulimina nervosa hinweisen. Grundlegende Informationen zu diesen Krankheitsbildern finden Sie in den Beiträgen zum Leitthema „Essstörungen“ in dieser Ausgabe der „Ernährung – Wissenschaft und Praxis“.
Manfred Fichter gibt einen Überblick über Diagnostik, Epidemiologie, Pathogenese und Therapie der anorektischen und bulimischen Essstörungen (S. 148 ff.). Über die Behandlungsmöglichkeiten bei Anorexie und Bulimie sprachen wir mit Tanja Legenbauer. Lesen Sie dazu das Interview auf S. 156 ff. Da die Therapie in zahlreichen Fällen nicht erfolgreich ist, kommt es entscheidend darauf an, bei Jugendlichen die Entwicklung einer Essstörung zu verhindern. Hierfür gibt es inzwischen zahlreiche evaluierte Programme, die zielgruppenspezifisch auf Mädchen ausgerichtet und im Setting Schule angesiedelt sind. Deren Kennzeichen, theoretische Basis und Ziele stellen Berger et al. in ihrem Beitrag ab S. 159 am Beispiel von „PriMa“ (Primärprävention Magersucht bei Mädchen der 6. Klasse) vor. Deutlich wird, welche Anstrengungen nötig sind, dieses und vergleichbare Programme flächendeckend einzuführen.
Qualität ist auch in der Betriebsverpflegung der entscheidende Faktor. Dabei haben sich die Ansprüche der Arbeitnehmer in den letzten 20 Jahren stark verändert. Standen früher häufig noch quantitative Aspekte im Vordergrund, tragen heutzutage immer mehr Einrichtungen den geänderten Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ihrer Gäste Rechnung. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erstmals bundesweite Qualitätsstandards für die Betriebsverpflegung erarbeitet, die wir Ihnen ab S. 179 vorstellen.
Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Lebensqualität und die Ernährung stehen im Mittelpunkt des Bundeskongresses „Kompetenz in Ernährung“. Dieser wird gemeinsam von dem Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e. V., dem Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. und dem Verband der Oecotrophologen e. V. zum zweiten Mal in Wolfsburg veranstaltet, in diesem Jahr am 25. und 26. April. Das Team der „Ernährung – Wissenschaft und Praxis“ finden Sie dort auf dem Stand des Springer Gesundheits- und Pharmazieverlages (Nr. 58). Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen!
Ihre
Sabine Fankhänel
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 04/2008 auf Seite 147 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
