Therapie von Essstörungen. Ein Gespräch mit Tanja Legenbauer
Fortschritte in den Bereichen Diagnostik, Ätiologie und Behandlung haben in den letzten Jahrzehnten zu einem neuen Verständnis von Essstörungen wie Anorexia nervosa und Bulimia nervosa geführt. Wir sprachen mit Dr. Tanja Legenbauer von der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum in Dortmund über die Behandlungsmöglichkeiten bei Anorexie und Bulimie.
Frau Dr. Legenbauer, seit vielen Jahren therapieren Sie Menschen, die an einer Essstörung leiden. Häufig kontrollieren die Betroffenen ihr Essverhalten sehr stark. Wie äußert sich das? Bestehen hier Unterschiede zwischen Patienten mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa?
Frau Dr. Legenbauer, seit vielen Jahren therapieren Sie Menschen, die an einer Essstörung leiden. Häufig kontrollieren die Betroffenen ihr Essverhalten sehr stark. Wie äußert sich das? Bestehen hier Unterschiede zwischen Patienten mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa?
Frau Dr. Legenbauer, seit vielen Jahren therapieren Sie Menschen, die an einer Essstörung leiden. Häufig kontrollieren die Betroffenen ihr Essverhalten sehr stark. Wie äußert sich das? Bestehen hier Unterschiede zwischen Patienten mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa?
Frau Dr. Legenbauer, seit vielen Jahren therapieren Sie Menschen, die an einer Essstörung leiden. Häufig kontrollieren die Betroffenen ihr Essverhalten sehr stark. Wie äußert sich das? Bestehen hier Unterschiede zwischen Patienten mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa?
Zum einen äußert sich die rigide Kontrolle in selbstauferlegten strikten Diätregeln, zum Beispiel dem Festlegen von Kaloriengrenzen wie täglich maximal 800 bis 1000 Kilokalorien, zum anderen kann sie auch Regeln darüber beinhalten, wie groß die Nahrungsmenge ausfallen darf, welche Lebensmittel erlaubt sind oder ab wann nichts mehr gegessen werden darf. Neben diesen genauen Regeln kann es auch allgemeine Grundsätze geben, wie beispielsweise kein Fleisch oder keine Schokolade zu essen oder nur „gesunde“ Nahrungsmittel im Sinne von fett- und kalorienarm zu sich zu nehmen.
Unterschiede zwischen den Essstörungstypen bestehen beispielsweise darin, dass Patienten mit einer Anorexia nervosa teilweise bizarre Verhaltensweisen im Umgang mit Lebensmitteln zeigen: So wird häufig das Essen in kleinste Teile zerschnitten und extrem langsam und bewusst gekaut oder viel Wasser getrunken. Zudem ist die Anzahl der erlaubten Lebensmittel extrem eingeschränkt. Anorektische Patienten versuchen meist so gut wie gar nichts oder ausschließlich kalorienarme Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse zu essen. Meist wird diese Fähigkeit, sich besser als alle anderen zu kontrollieren, als Gefühl der Macht und Stärke erlebt. Insgesamt sind die beschriebenen Verhaltensweisen anorektischer Patienten sehr auffällig, während im Gegensatz dazu bulimische Patienten kein öffentlich auffälliges Essverhalten zeigen.
Der bulimische Essstörungstypus ist eher durch unregelmäßige Essenszeiten und intermittierend erlebte Kontrollverluste über die Nahrungsmenge gekennzeichnet. Daher erscheint bei Patienten mit einer Bulimia nervosa das Essverhalten auf den ersten Blick meist unauffällig. Bulimische Patienten essen im Beisein von anderen meist diszipliniert und kontrolliert. Typischerweise wählen sie Nahrungsmittel wie Quark, Joghurt, Salat und Obst, also „gesunde, vollwertige“ Speisen. Während sie bei Essanfällen vorrangig „verbotene“, also fette Speisen oder Süßes wie Gebäck und Schokolade verzehren, meiden sie diese dagegen außerhalb von Essanfällen. Häufig planen bulimische Patienten im Tagesablauf nur wenig oder ungenügend Zeit für die Nahrungsaufnahme ein und neigen dazu, Mahlzeiten ausfallen zu lassen. Typisch ist beispielsweise das Auslassen des Frühstücks und das Konsumieren der Hauptkalorienmenge im zweiten Tagesdrittel.
Kontakt: tanja.legenbauer@ruhr-uni.bochum.de
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 04/2008 auf Seite 156 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
