Evaluierte Programme zur Prävention von Essstörungen

Essstörungen sind schwer behan­delbare psychosomatische Erkran­kungen, die vor allem jugendliche Mädchen betreffen. Um der Entwick­lung einer Essstörung wirkungsvoll vorbeugen zu können, gibt es mitt­lerweile evaluierte Programme, die insbesondere in der Schule zum Ein­satz kommen. Kennzeichen, theo­retische Basis und Ziele solcher Pro­gramme werden im Folgenden mit Schwerpunkt auf dem Programm „PriMa“ (Primärprävention Mager­sucht bei Mädchen der 6. Klasse) vor­gestellt.

Essstörungen, vor allem Magersucht (An­orexia nervosa) und Ess-Brech-Sucht (Bu­limia nervosa) erfahren seit vielen Jah­ren eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Dies liegt zum einen an der nach wie vor schweren Behandelbarkeit, vor allem der manifesten Magersucht. Nach einer Me­taanalyse, für die 119 internationale Studi­en ausgewertet wurden, beträgt die dau­erhafte Heilungsrate 46%. Zum ande­ren gilt Magersucht aufgrund einer Mor­talitätsrate von über 15% als schwerste psy­chosomatische Erkrankung bei Mädchen und jungen Frauen. Darüber hinaus finden in letzter Zeit aber auch Vorformen klinisch manifester Essstörungen größe­re Beachtung. Sogenannte „subklinische“ Essstörungen, d. h. einzelne Symptome ohne diagnostisches Vollbild einer Er­krankung, wurden bei bis zu einem Drit­tel der jugendlichen Mädchen in verschie­denen Studien mit dem Eating Attitudes Test (EAT-26D) beobachtet.

Die Prävalenz von Magersucht (Erfas­sung mit Screening-Fragebogen und Diagnose-Interview) liegt bei ca. 0,5%. Die entsprechenden Raten für Bulimie und die sog. Binge-Eating-Störung sind ungefähr 3-mal so hoch. Zusätzlich zei­gen 12,4% der weiblichen Jugendlichen regelmäßig extreme Praktiken zur Ge­wichtskontrolle, wie Erbrechen oder Miss­brauch von Diät-Pillen (z. B. Appetitzüg­ler), Diuretika oder Laxanzien. Täg­liche Diäten und gestörtes Essverhalten wurden in großen internationalen Studi­en bei 6 bis 10% der Mädchen gefunden. In einer eigenen Studie konnten wir bereits bei 50% der 10-jährigen Mäd­chen den Wunsch, dünner sein zu wollen, empirisch nachweisen. In der bislang größten deutschen Kinder- und Jugend­gesundheitsstudie (KiGGS, n = 17.641) berichteten 23,5% der 11- bis 13-jährigen Mädchen problematisches Essverhalten, gemessen mit dem sog. SCOFF-Test.

Korrespondierender Autor: Dr. Uwe Berger (uwe.berger@uni-jena.de)

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 04/2008 auf Seite 159 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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