Körperliche Aktivität: Ernährungsspezifische Aspekte bei Kindern und Jugendlichen
Eine adäquate Ernährung ist Voraussetzung für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung. Der höhere Energiebedarf sportlich aktiver Kinder sollte entsprechend in Ernährungsempfehlungen berücksichtigt werden, wobei die Datenlage hierzu jedoch als eher dürftig anzusehen ist. Dennoch können bestimmte Besonderheiten der Ernährung (Leistungs-) Sport treibender Kinder diesen bzw. ihren Eltern vermittelt werden, um eine möglichst ausgewogene Nahrungszufuhr zu erreichen. Dies ist umso wichtiger, da sich gerade diese Kinder meist bewusster und gesünder ernähren als ihre sportlich nicht aktiven Altersgenossen und hierin unterstützt werden sollten.
Grundsätzlich ist die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch Änderungen der skelettalen und muskulären Dimensionen, Körperkomposition, Reifung usw. gekennzeichnet. Es ist unbestritten, dass eine adäquate Ernährung die Voraussetzung für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung darstellt. Als Energielieferanten dienen Makronährstoffe wie Kohlenhydrate und Fette sowie Eiweiße. Die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bzw. des Forschungsinstituts für Kinderernährung auf der Basis der optimierten Mischkost (OptimiX) sind in Tabelle 1 zusammengestellt.
Körperlich aktive Kinder, insbesondere im Leistungssport aktive, weisen entsprechend einen höheren Bedarf auf. Die Datenlage bezüglich der Ernährung kindlicher bzw. heranwachsender Sportler und darauf basierende Empfehlungen für eine optimale Zufuhr sind aber eher dürftig. Dies liegt neben einer geringen Studienlage an dem entscheidenden Einfluss von Wachstum und Entwicklung.
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Zahl bewegungsarmer und/oder adipöser Kinder erscheint die Frage nach einer möglicherweise optimalen Ernährungsform und möglichen Einflussnahme zunächst eher sekundär. Körperliche Aktivität scheint aber in jedem Lebensalter mit einer gesünderen Lebens-, insbesondere auch Ernährungsweise verbunden zu sein.
In einer Umfrage an 3540 Schweizer Kindern zwischen 9 und 19 Jahren bestand in der Gruppe der sportlich aktiven eine höhere Zufuhr an Milchprodukten, Zerealien, Früchten, Obstsäften und Salaten. In einer aktuellen Untersuchung von Croll et al. frühstückten die Kinder, die in Kraftsportarten aktiv waren, regelmäßiger und wiesen eine höhere Protein-, Eisen-, Zink- und Calciumzufuhr auf als ihre Altersgenossen.
Leistungssport ist für Kinder heute einfacher zu erreichen als früher, und es sind prozentual mehr Kinder im Leistungssport aktiv. In den USA nahm die Zahl von Kindern im organisierten Sport um 8,4%, von Heranwachsenden um 15,4% zu. In Europa – in Abhängigkeit vom jeweiligen Land – sind zwischen 53% und 98% der Kinder zwischen 6 und 11 Jahren im organisierten Sport anzutreffen, ähnlich hohe Raten findet man bei Kindern zwischen 12 und 16 Jahren. Nach der KiGGS-Studie sind aktuell etwa 75% der 3- bis 10-jährigen Mädchen und Jungen einmal wöchentlich sportlich aktiv, mehr als 30% 3-mal oder öfter.
Mit höherem Lebensalter wird weniger Sport getrieben, trotzdem sind noch 84% der 11- bis 17-Jährigen einmal wöchentlich so aktiv, dass sie schwitzen bzw. außer Atem geraten (zur Einschätzung der Intensität), und 54% 3-mal wöchentlich oder öfter. 2004 lag der Anteil an Kindern und Jugendlichen, die aktiv Sport treiben, etwa bei 57% Mädchen und 75% Jungen zwischen 7 und 14 Jahren bzw. 40% und 60% der 15- bis 18-Jährigen; insgesamt bei etwa 6,4 Mio. Kindern. Bis zum 18. Lebensjahr sind etwa 35.000 Kinder im Leistungssport als C- oder D-Kader organisiert.
Um die Leistungsfähigkeit bei Kindern zu verbessern, sind nach Rowland hohe Umfänge intensiven Trainings notwendig. Um den damit verbundenen gesteigerten Energiebedarf abzudecken, muss auch die Nahrungszufuhr angepasst werden. Im Rahmen dieser Übersichtsarbeit sollen daher die Besonderheiten der Ernährung (Leistungs-)Sport treibender Kinder zusammengestellt werden.
Körperliche Aktivität und Training
Für Muskelkontraktionen ist ATP notwendig. Neben einem kleinen intramuskulären Vorrat an ATP dienen der Nachlieferung Kreatinphosphat, Glykolyse und der Zitronensäurezyklus. Die ersten beiden Quellen können ohne Sauerstoff, also anaerob, ATP liefern, bei Letzterem wird Sauerstoff (aerob) benötigt.
Eine ausreichende Energiebereitstellung ist für sämtliche Stoffwechselprozesse notwendig. Körperliche Aktivität fordert und beeinflusst diese Prozesse erheblich und führt zu einem höheren Energiebedarf als bei normal- und/oder inaktiven Kindern und Jugendlichen. Wie viel mehr allerdings tatsächlich notwendig ist, kann infolge der hohen Variabilität, insbesondere auch durch die Längenwachstumsschübe, nicht abschließend beantwortet werden.
Der Energiebedarf wurde daher anhand von Alter, Referenzgröße und -gewicht sowie selbst eingeschätzter Trainingsintensität näherungsweise ermittelt: Ein 9-jähriges inaktives Mädchen benötigt etwa 5928 kJ/Tag (1415 kcal/Tag), ein sehr aktiver 13-jähriger Junge 12.729 kJ/Tag (3038 kcal/Tag).
Korrespondierende Autorin: PD Dr. Dr. Christine Graf (c.graf@dshs-koeln.de), Quelle: Aktualisierte Fassung eines Beitrags aus Monatsschrift Kinderheilkunde (2008) 156: 33–38
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 05/2008 auf Seite 205 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
