Diabetes mellitus verhindern – 43. Jahrestagung der DDG

Die 43. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) fand vom 30. April bis 3. Mai in München statt. Tagungspräsident Prof. Dr. Hans Hauner, Else Kröner-Fresenius- Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München, stellte die Veranstaltung unter das Motto „Unsere Verpflichtung: Diabetes verhindern – Menschen mit Diabetes als Individuen behandeln!“. Ärzte, Wissenschaftler und Diabetesberater nutzten den Kongress, um sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und gesundheitspolitische Entwicklungen zu informieren. Im Folgenden werden einige Überlegungen zur Prävention des Diabetes vorgestellt.

Foto: DDG

Derzeit sind rund 7 Mio. Menschen in Deutschland wegen eines Diabetes in ärztlicher Behandlung – 90% von ihnen leiden an Diabetes Typ 2. Die Zahl der Erkrankten wächst pro Jahr um etwa 300.000 Menschen. Betroffen sind alle Altersgruppen, mit zunehmendem Alter steigt jedoch das Risiko, einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln. Bereits heute ist fast jeder Dritte über 70-Jährige Diabetiker.

Das größte Problem sind die Folgeerkrankungen, denn diese verursachen neben persönlichem Leid und eingeschränkter Lebensqualität auch hohe finanzielle Ausgaben im Gesundheitswesen. „Diabetes mellitus ist heute mit circa 18 Mrd. EUR Kosten die teuerste chronische Erkrankung in Deutschland. Davon entfallen drei Viertel der Kosten auf die Behandlung von Folgeerkrankungen“, betonte Hauner auf der Pressekonferenz anlässlich der Tagung.

Bedeutung der Prävention

Gleichzeitig wies er darauf hin, dass sich bis zu 90% aller Erkrankungen an Diabetes Typ 2 durch Präventionsmaßnahmen verhindern ließen. Denn die fortschreitende Epidemie des Diabetes Typ 2 sei eine Folge des modernen Lebensstils mit überkalorischer Ernährung, Bewegungsmangel und Adipositas, auf dem Boden einer genetischen Prädisposition.

Zwar ist die Pathophysiologie der Erkrankung, insbesondere die Mechanismen der Insulinresistenz und der Störung der Insulinsekretion, noch nicht vollständig geklärt, so Hauner. Dennoch seien heute die wichtigsten Risikofaktoren sehr gut bekannt und man könne das individuelle Risiko relativ zuverlässig vorhersagen. Gleichzeitig zeigen Ergebnisse von Präventionsstudien, dass bestimmte Änderungen des Lebensstils, z. B. Körpergewichtssenkung, Bewegungssteigerung und Ernährungsumstellung, das Diabetesrisiko effektiv verringern.

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Damit gäbe es bereits wirksame Instrumente, um die Diabetesepidemie zu stoppen und ein zentrales Gesundheitsproblem der Gegenwart erfolgreich zu bekämpfen. Diese würden jedoch zu wenig genutzt, im deutschen Gesundheitssystem sei die praktische Diabetesprävention nicht existent. Denn abgesehen von einigen wenigen regionalen Modellprojekten übernähmen Krankenkassen die Kosten für Präventionsprogramme nicht.

Außerdem ist eine Therapie der Adipositas grundsätzlich nicht erstattungsfähig, da diese unabhängig von ihrem Schweregrad nach dem SGB V nicht als Krankheit anerkannt ist, führte Hauner aus. Gleiches gelte trotz der weitverbreiteten Fehlernährung auch für die Ernährungsberatung – auch dies ist keine Kassenleistung. Nur eine Minderheit der neu entdeckten Patienten mit Diabetes Typ 2 erhält eine Ernährungsberatung, sodass die wichtigste pathophysiologisch ausgerichtete Therapie kaum genutzt wird.

Außerdem könne das Gesundheitssystem dieses Problem nicht allein lösen. Es sei vielmehr eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Zahl der Neuerkrankungen zu senken und durch qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten mit Diabetes Typ 2 Folgeerkrankungen zu vermeiden. „Dazu ist ein flächendeckendes, Krankenkassen übergreifendes Konzept zur Prävention erforderlich, wie es beispielsweise in den skandinavischen Ländern etabliert ist“, forderte Hauner. Prävention sollte schon in Kindergarten und Schule beginnen, so dass eine Präventionskultur entstehe. Doch der Staat müsse auch Anreize zur Prävention bieten.

Sabine Fankhänel

Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 05/2008 auf Seite 227 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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