Resveratrol
Ende letzten Jahres wurden mit nur zwei Wochen Abstand zwei Studien zu den Wirkungen von Resveratrol publiziert. Deren Ergebnisse zeigen, dass die Verabreichung dieses Polyphenols, das mit Gehalten von maximal 10 mg/L hauptsächlich in Rotwein vorkommt, vielfältige Wirkungen auf den Energiestoffwechsel von Mäusen ausübt.
In einer der beiden Studien konnte sogar gezeigt werden, dass mit Resveratrol behandelte und gleichzeitig hyperkalorisch und fettreich ernährte Tiere genauso lange leben wie Mäuse, die mit einer artgerechten, aber Resveratrol-freien Standarddiät ernährt werden.
Hintergrund
Bisher gilt als relativ gesichert, dass eine kalorische Restriktion die maximale Lebensspanne bei Säugetieren verlängert. Obwohl die molekularen Mechanismen dieser Wirkung weiterhin untersucht werden, existieren die folgenden Hypothesen als Erklärungsansätze:
1. Eine reduzierte Energiezufuhr resultiert in einer reduzierten metabolischen Rate, welche wiederum mit einer geringeren Freisetzung von reaktiven Sauerstoffspezies und einer verminderten DNA-Schädigung assoziiert ist.
2. Es erfolgt eine Aktivierung von Sirtuinen, welche in die Regulation von Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel sowie in die apoptotischer Prozesse eingreifen.
Sirtuine sind Enzyme, die wiederum Proteine modifizieren, die in Reparaturmechanismen der DNA oder der Suppression von Tumoren involviert sind. So inhibiert beispielsweise die Deacetylaseaktivität einiger Sirtuine die Aktivierung des Tumorsuppressorgens p53, wodurch es zu einer Verlängerung der zellulären Lebensdauer kommt. Für Resveratrol konnten
Howitz et al. zeigen, dass eine Verlängerung der maximalen Lebensspanne von Hefen (Saccharomyces cerevisiae) um bis zu 70% erreicht werden kann, indem Sirtuin-2-Gene aktiviert werden und es zu einer verbesserten DNA-Stabilität kommt. Dass diese Aktivierung von Sirtuinen nicht nur auf Hefen beschränkt ist, zeigen weiterführende Studien an Spulwürmern (Caenorhabditis elegans) [10], Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) und Karpfen (Nothobranchius furzeri).
Korrespondierende Autorin: PD Dr. rer.nat. Veronika Somoza
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 02/2007 auf Seite 86 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.