Editorial: Lebensmittel und Gesundheit

Was können wir noch essen? Diese Frage beschäftigt Verbraucher immer wieder angesichts von Berichten über Salmonellen in Desserts, Dioxin in Dorschleber oder aber hohe Rückstandsgehalte in Paprika. Handelt es sich hierbei wirklich nur um Einzelmeldungen? Diese und andere Fragen zum Thema Lebensmittel stehen im Mittelpunkt der aktuellen „Ernährung – Wissenschaft und Praxis“.

Sabine Fankhänel, ChefredakteurinAuskunft über die Mängel und Verstöße, die die Lebensmittelüberwachung im Jahr 2006 in Deutschland feststellte, gibt der vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erstellte Jahresbericht. Ausgewählte Ergebnisse enthält der Artikel auf S. 258 ff. Außerdem baten wir Jürgen Maier, den Vorsitzenden der Länderarbeitsgemeinschaft Gesundheitlicher Verbraucherschutz, um eine Einschätzung der Situation.

Dass eine bakterielle Kontamination von Lebensmitteln äußerst gravierende Auswirkungen haben kann, zeigte sich erneut in diesem Frühjahr bei den Salmonellose-Ausbrüchen in Fulda und Dortmund. Informationen zu in Deutschland häufig auftretenden bakteriell bedingten Gastroenteritiden, deren Erreger vor allem über Lebensmittel tierischen Ursprungs übertragen werden, haben wir daher in dem Beitrag ab S. 264 zusammengestellt.

Um Lebensmittelinfektionen zu vermeiden, müssen Verbraucher die Lebensmittel nach dem Einkauf aber auch sachgerecht lagern. Erstaunlicherweise gibt es kaum Daten über die Vorratshaltung und Lebensmittellagerung in Privathaushalten in Deutschland. Die Ergebnisse der von Sauter, Winkler und Wildt durchgeführten Untersuchung in Single-Haushalten (S. 252 ff.) zeigen, dass durchaus noch Aufklärungsbedarf über die richtigen Lagerungsbedingungen besteht.

Ein hoher Anteil pflanzlicher Lebensmittel in der täglichen Nahrung ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht wünschenswert und wird daher von den Fachleuten empfohlen. Allerdings enthalten einige Pflanzen, die zu Lebensmitteln verarbeitet werden, von Natur aus auch Substanzen, die der Gesundheit schaden können. Beispiele hierfür sind Cumarin in Zimt oder aber Furocumarine in Sellerie. Strategien zur gesundheitlichen Bewertung solcher pflanzlicher Stoffe waren ein zentrales Thema des 4. BfR-Forums Verbraucherschutz, über das wir auf S. 284 ff. berichten. Zu den kontrovers diskutierten Pflanzeninhaltsstoffen zählen auch die Isoflavone. Einerseits werden Präparate mit diesen Phytoöstrogenen immer häufiger von Frauen gegen Beschwerden in den Wechseljahren eingenommen, andererseits sollen mit der Aufnahme hoher Mengen durchaus gesundheitliche Risiken verbunden sein. Lesen Sie hierzu auf S. 282 ff. das Interview mit Sabine Kulling.

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Intensiv wird in Europa über Health Claims für Lebensmittel diskutiert. Im Mittelpunkt steht derzeit die Frage, welche Nährstoffe für die Erstellung der dafür vorgeschriebenen Nährwertprofile berücksichtigt werden sollen. Denn diese müssen auf wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen beruhen. Im Hinblick auf die wichtigsten ernährungsabhängigen Gesundheitsstörungen und die vorliegende Evidenz empfiehlt Barth (S. 270 ff.), bei der Erstellung von Nährwertprofilen neben der Energiedichte vier qualifizierende und sechs disqualifizierende Inhaltsstoffe zu berücksichtigen.

Außerdem stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe ein innovatives Konzept zur Adipositasprävention vor (S. 275 ff.). Bisherige Strategien sind bei Kindern aus Familien mit niedrigem sozialen Status nicht ausreichend wirksam, teilweise wohl sogar kontraproduktiv. Das Projekt „Naschgarten“ beschreitet daher mit einem wohnortbezogenen, partizipativen Ansatz neue Wege.

Ihre

Sabine Fankhänel


Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 06/2007 auf Seite 251 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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