Bakteriell bedinge Gastroenteritiden
Als ein „Infektionsgeschehen von besonderer Bedeutung“ bezeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Epidemiologischen Bulletin vom 15.06.2007 die Salmonellenerkrankungen bei Patienten und Mitarbeitern eines Klinikums in Dortmund.
Im Zeitraum vom 21.05.2007 bis 02.06.2007 erkrankten dort 63 Patienten und 19 Mitarbeiter an Infektionen mit Salmonella enteritidis. Weitere 48 Mitarbeiter wurden im Rahmen umfangreicher Screeningmaßnahmen positiv getestet. Ursächlich für die Verbreitung der Bakterien waren mit hoher Wahrscheinlichkeit kontaminierte Joghurt- und Quarkspeisen.
Zuvor waren 239 Personen in zwei Wellen im Zeitraum vom 24.04.2007 bis 19.05.2007 in einem Klinikum in Fulda ebenfalls durch mit Salmonellen kontaminierte Lebensmittel erkrankt. Weitere Fälle betrafen 24 Bewohner eines Seniorenzentrums, das Mittagsspeisen aus der Küche des Klinikums bezogen hatte. Eine vorläufige Auswertung der Risikofaktoren für die erste Erkrankungswelle ergab einen statistisch hoch signifikanten Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem Verzehr eines Desserts („Apfelschnee“), das fast alle Betroffenen, aber kaum Kontrollpersonen verzehrt hatten.
Diese Beispiele zeigen deutlich, welche gravierenden Auswirkungen die bakterielle Kontamination von Lebensmitteln haben kann. Salmonellen, aber auch Campylobacter, Yersinien und enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) werden vor allem durch kontaminierte Lebensmittel tierischen Ursprungs übertragen. Durch diese Bakterien bedingte Enteritiden gehören zu den häufigsten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) gemeldeten Infektionskrankheiten. Allerdings bilden die nach dem IfSG übermittelten Fälle von infektiöser Gastroenteritis nur einen Teil der insgesamt aufgetretenen Fälle ab. Denn bei leichten und kurzen Krankheitsverläufen suchen viele Erkrankte keinen Arzt auf, bei vielen Erkrankungen wird die Ursache nicht geklärt (fehlende bzw. nicht ausreichende mikrobiologische Diagnostik, d. h. keine Stuhluntersuchung) oder aber die diagnostizierten Erkrankungsfälle werden nicht gemeldet. Die tatsächliche Zahl der Erkrankungen ist daher nicht bekannt.
Korrespondierende Autorin: Kirsten Grashoff (kirsten.grashoff@springer-gup.de)
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 06/2007 auf Seite 264 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
