Zur wissenschaftlichen Grundlage von Nährwertprofilen

Im Jahr 2006 hat die Europäische Kommission eine Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel veröffentlicht. Artikel 4 der Verordnung macht für die Verwendung von nährwert- und gesundheitsbezogenen Werbeaussagen zur Voraussetzung, dass diese im Einklang mit einem vorgegebenen Nährwertprofil stehen. Das Nährwertprofil seinerseits – so der Verordnungstext – muss auf wissenschaftlich abgesicherter Erkenntnis aufbauen.

Nährwertprofile (“nutrient profiles”) sollen einerseits sicherstellen, dass Lebensmittel, die mit gesundheitsbezogenen Aussagen beworben werden, nicht Inhaltsstoffe in Mengen enthalten, deren Verzehr mit chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht wird, und andererseits die Verbraucher vor Irreführung schützen.

Methodisches Vorgehen

Eines der Hauptziele der Forschung in den Bereichen Public Health und Ernährungsmedizin ist die Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen für die Beratung der Bevölkerung, um auf diese Weise lebensstilabhängige chronisch-degenerative Erkrankungen zu verhüten. Sie ist dabei zu einem geschlossenen Konzept der Evidenzfindung gelangt. Dieses Konzept definiert, welche Arten von ernährungswissenschaftlicher Evidenz vorliegen müssen, bevor legitimerweise Empfehlungen an die gesamte Bevölkerung herausgegeben werden können. Wie in . Abb. 1 dargestellt, beruht dies auf dem methodischen Vorgehen verschiedener Disziplinen und reicht von ärztlichen Beobachtungen über epidemiologische Ansätze bis zu kontrollierten Interventionsstudien. Unstreitig kommt dabei den Interventionsstudien die größte Aussagekraft zu. Zusätzlich müssen die verschiedenen Befunde aller 4 Stufen der Public-Health-Forschung einschließlich der biochemischen Plausibilität widerspruchsfrei ineinander greifen.
Korrespondierender Autor: Prof. Dr. Christian A. Barth (barth@dife.de)


Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 06/2007 auf Seite 270 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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