Editorial: Kinder, Kinder
Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland essen mittags nicht zu Hause. Im Jahr 2005 nahmen nach Angaben der Kultusministerkonferenz schon 1,3 Millionen Schülerinnen und Schüler des Primar- und Sekundarbereichs I ganztägig am Schulbetrieb mit einer angebotenen Mittagsverpflegung teil. Und 1,5 Millionen unter 14-Jährige besuchten laut Statistischem Bundesamt im Frühjahr 2006 eine Tageseinrichtung, also eine Kinderkrippe, einen Kindergarten oder Hort, mit Mittagsverpflegung.
Künftig werden wohl noch mehr Kinder und Jugendliche in Schule oder Tageseinrichtung essen, denn die Ganztagsangebote werden ausgebaut. Daher gibt es derzeit vielfältige Aktivitäten auf Bundes- und Landesebene, die Gemeinschaftsverpflegung in diesem Bereich weiter zu verbessern. Einige möchten wir, beginnend mit dieser Ausgabe von „Ernährung – Wissenschaft und Praxis“, vorstellen.
So wurden repräsentative Daten zur Ernährungs- und Verpflegungssituation der 4- bis 6-Jährigen in Kindertageseinrichtungen in Sachsen im Rahmen eines Forschungsprojekts erhoben (S. 300 ff.). Deutlich wird, dass die Verpflegung in den Kindergärten das in Deutschland übliche Essverhalten widerspiegelt. Beispielsweise besteht eine Diskrepanz zwischen der Zufriedenheit mit dem Mittagessen und den ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen zur Gestaltung dieser Mahlzeit. Basierend auf den Studienergebnissen leiten die Autoren praxisnahe Empfehlungen ab, um die Ernährungssituation in den Kindertageseinrichtungen mittelfristig zu verbessern.
An manchen Schulen wird das Verpflegungsangebot trotz großen Engagements der Beteiligten und anfänglichen Enthusiasmus auf Dauer von den Schülern nicht angenommen. Um die Schulverpflegung nicht nur „gesund“, sondern für die Zielgruppe langfristig attraktiv zu gestalten, müssen nämlich neben dem eigentlichen Essensangebot zahlreiche Faktoren beachtet werden (S. 307 ff.). Möglichkeiten, wie diese im Schulalltag dauerhaft berücksichtigt werden können, wurden auf der Veranstaltung „Schulverpflegung in der Praxis“ vorgestellt (S. 324 ff.).
Kinder stehen ebenfalls im Mittelpunkt des Forschungsprojekts IDEFICS (Identification and prevention of dietary- and lifestyle- induced health effects in children and infants), das in neun europäischen Ländern durchgeführt wird (S. 314 ff.). Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, welche Auswirkungen die veränderte Lebensumwelt auf die Gesundheit der 2- bis 10-Jährigen hat. Außerdem werden Interventionsprogramme zur Primärprävention ernährungs- und lebensstilbedingter Erkrankungen entwickelt und evaluiert. Letztlich sollen die Projektergebnisse dazu beitragen, einheitliche europäische Empfehlungen für eine gesundheitsförderliche Ernährung und einen entsprechenden Lebensstil in dieser Altersgruppe zu formulieren.
Die Änderungen des Lebensumfelds wirken sich auch auf das Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen aus. Auf S. 322 ff. stellen wir Ihnen hierzu aus der idsVerbraucherAnalyse 2007 einige Ergebnisse zu Ernährungsverhalten und Lebensstil vor.
Ihre
Sabine Fankhänel
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 07/2007 auf Seite 299 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
