Vollkorn, Diabetes und die Gene

(nös) Eine Ernährung reich an Vollkornprodukten kann das Risiko für einen Diabetes mellitus Typ 2 verringern. Das haben Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) im vergangenen Jahr herausgefunden. Nun konnten sie zeigen, dass nicht alle davon profitieren, sondern der Vorteil von der Mutation eines bestimmten Gens abhängt.

Foto: Bilderbox

Das als Diabetesrisiko-Gen bekannte TCF7L2, der auf Chromosom 10 lokalisierte „Transcription Factor 7-like 2“, stand im Zentrum der Forschungsarbeit von Eva Fisher vom DIfE. Dabei interessierte sie sich für die Zusammenhänge zwischen Variationen im Erbgut, der Ernährungsweise und dem Diabetesrisiko.

Bei der Auswertung der Daten von 3000 Probanden aus der Potsdamer EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) fand sie heraus, dass der positive Effekt einer vollkornreichen Ernährung nur auf die Menschen zutrifft, die eine spezielle Punktmutation auf dem Gen TCF7L2 besitzen.

Bei Trägern dieser CC-Variante des Gens sank das Diabetesrisiko um 14 Prozent pro verzehrten 50 Gramm eines Vollkornprodukts, berichtet Fisher. Diese Menge entspricht in etwa einer Scheibe Vollkornbrot. Dagegen hatten Träger der T-Variante generell ein um 51 Prozent erhöhtes Diabetesrisiko. Auch blieb bei ihnen der Verzehr von Vollkornprodukten ohne positive Wirkung auf das Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Mit diesen Ergebnissen konnten die Wissenschaftler des DIfE nach eigenen Angaben erstmalig einen Zusammenhang zwischen einem Diabetesrisiko-Gen, dem Verzehr von Vollkornprodukten und dem Erkrankungsrisiko nachweisen. Für den Studienleiter Matthias Schulze ist das ein wichtiger Fortschritt: Je öfter man solche Zusammenhänge aufdecken könne, desto eher sei man in der Lage, individuelle Empfehlungen für eine gesunde Ernährung zu geben. Denn personalisierte und maßgeschneiderte Ernährungsempfehlungen könnten dazu beitragen, dass Menschen die Ratschläge eher befolgen, wie Schulze betont.

Die generelle Empfehlung, mehr Vollkornprodukte zu verzehren, ist seiner Ansicht nach aber keineswegs überholt. Auch wenn bei einigen Menschen aufgrund ihrer Erbanlagen das Diabetesrisiko dadurch nicht vermindert werden könne, sei der Verzehr dennoch ratsam. So könnte ein erhöhter Verzehr von Vollkornprodukten wahrscheinlich auch bei diesen Menschen zur Senkung des Risikos für Darmkrebs und Herz-Kreislauferkrankungen beitragen.

28.07.08

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung

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