Diabetes: Übeltäter Kohlenhydrate?

(kig) Eine kohlenhydrathaltige, fettreiche Kost macht nicht nur dick, sondern begünstigt auch Diabetes. Ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) konnte nach eigenen Angaben erstmalig zeigen, dass Kohlenhydrate und nicht Fette, die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse schädigen. In Verbindung mit einer fettreichen Ernährung erhöhen Kohlenhydrate den oxidativen Stress in den Zellen, lassen sie so schneller altern und damit auch früher sterben.

Foto: DIfE

Bereits vor zwei Jahren beobachteten DIfE-Wissenschaftler, dass eine kohlenhydratfreie Diät zumindest dicke Mäuse vor Diabetes schützt. Darauf aufbauend wurden nun die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen untersucht.

Zunächst fütterten die Forscher Tiere eines zu Übergewicht neigenden Mausstamms mit unterschiedlichen Diäten: Die erste Gruppe erhielt ein fettreiches Futter mit Kohlenhydraten. Die zweite Gruppe erhielt ein fettreiches Futter ohne Kohlenhydrate. Die Tiere durften so viel fressen und trinken wie sie wollten. Unabhängig von der Diät nahmen die Mäuse in beiden Gruppen deutlich zu und waren nach 17 Wochen in gleichem Maße übergewichtig.

Hinsichtlich des Gesundheitsstatus unterschieden sich die Tiere jedoch deutlich. Die meisten Mäuse, welche gleichzeitig viel Fett und Kohlenhydrate fraßen, wiesen bereits nach acht Wochen übermäßig hohe Blutzuckerwerte auf – ein Anzeichen für einen beginnenden Diabetes. In der 17. Woche waren etwa zwei Drittel dieser Tiere an einem Diabetes erkrankt. Dagegen blieben die kohlenhydratfrei ernährten Nager von hohen Blutzuckerwerten und der Erkrankung verschont.

Wie Untersuchungen der insulinproduzierenden Zellen beider Maus-Gruppen zeigen, beeinflussen die aufgenommenen Kohlenhydrate die Aktivierung von 39 erst kürzlich entdeckten Genen, die auch beim Menschen mit der Diabetesentstehung in Zusammenhang gebracht werden. Etwa 80 Prozent dieser Gene wurden stärker exprimiert, das heißt verstärkt abgelesen. Dabei handelt es sich besonders um solche, die den oxidativen Stoffwechsel in den Mitochondrien stimulieren. In Folge davon bilden sich übermäßig viele reaktive Sauerstoffverbindungen – ein Zeichen für starken oxidativen Stress. Dieser lässt die Zellen schneller altern und sie sterben früher ab.

Die Daten lassen den Schluss zu, dass Kohlenhydrate besonders in Zusammenhang mit einer fettreichen Ernährung kritisch zu sehen sind, so die Forscher. Allerdings könne man die Ergebnisse nicht direkt in Ernährungsempfehlungen umwandeln. Eine kohlenhydratfreie, fettreiche Ernährungsweise ist für den Menschen nachteilig und auch nicht praktikabel. Dennoch empfehlen die Wissenschaftler vor allem Personen mit erhöhtem Diabetesrisiko, Vollkornbrot statt Weißbrot zu essen. Hierdurch kann ein schneller und übermäßiger Anstieg der Blutzuckerwerte vermieden werden.

02.12.09

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung

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