Mangel im Überfluss
Die Mangelernährung spielt in Deutschland in der öffentlichen Diskussion nur eine untergeordnete Rolle oder wird mit Hungersnöten in der Dritten Welt in Verbindung gebracht. Zu Unrecht, denn auch sie belastet unser Gesundheitssystem. Laut einer Studie der Münchner Beratungsfirma Cepton Strategies belaufen sich die durch Mangelernährung verursachten Zusatzkosten jährlich auf 8,9 Milliarden Euro.
Von den Gesamtkosten entfallen zurzeit fünf Milliarden auf den Bereich Krankenhaus, 2,6 Milliarden auf den Pflegebereich und weitere 1,3 Milliarden entstehen im Bereich der ambulanten ärztlichen Versorgung. Sie kommen beispielsweise durch längere Verweildauern im Krankenhaus zustande oder dadurch, dass bei mangelernährten Patienten häufiger Komplikationen auftreten als bei anderen. Bis zum Jahr 2020 rechnen die Experten wegen des demografischen Wandels sogar mit einem deutlichen Anstieg der Kosten um fast 25 Prozent auf etwa elf Milliarden Euro jährlich.
Ursachen von Mangelernährung
Eine Mangelernährung beruht auf einem Nährstoffdefizit. Dieses kann zum einen durch einen erhöhten Energie- oder Nährstoffbedarf zustande kommen, zum anderen durch eine zu geringe Nahrungszufuhr bzw. unzureichende Nahrungsaufnahme. Beide Ursachen können aber auch gemeinsam auftreten. Verschiedene Krankheiten, sozioökonomische und soziale Aspekte, psychische Beeinträchtigungen, körperliche Behinderungen oder altersbedingte Veränderungen sowie ein falsches Essverhalten können zu einem Nährstoffdefizit führen. Dadurch kommt es unter Umständen zu schweren funktionalen Störungen, zum Beispiel Muskelschwund oder Immunschwäche, und weitere Folgeerkrankungen werden begünstigt. Man geht davon aus, dass insgesamt jeder zweite bis fünfte Patient bei Aufnahme ins Krankenhaus mangelernährt ist.
Kirsten Grashoff
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 11/2007 auf Seite 46 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
