Winterepidemie – der Norovirus
Am 8. Januar startete die „Queen Elizabeth 2“, eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, in New York zu einer neuerlichen Weltreise. Mit an Bord waren neben mehr als 1600 Passagieren und rund 1000 Mitgliedern der Besatzung auch einige absolut unerwünschte Mitreisende: Noroviren. An Bord infizierten sie mehr als 300 Menschen.
Doch das Virus ist nicht nur auf hoher See aktiv: Seit dem Ausbruch der aktuellen Epidemie im Oktober 2006 wurden dem Robert-Koch-Institut in Deutschland bis zum 31. Januar 2007 46746 Norovirus-Gastroenteritiden übermittelt. Allerdings wird die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle als sehr hoch geschätzt.
Noroviren sind einsträngige, hüllenlose RNA-Viren aus der Familie der Caliciviridae. Wegen des ähnlichen Krankheitsbildes wurden sie früher auch als Norwalk-ähnliche Viren bezeichnet. Sie sind weltweit verbreitet und führen zu explosionsartigen Krankheitsausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Heimen und Krankenhäusern. In Deutschland zählen sie zu den häufigsten Auslösern von Magen-Darm-Erkrankungen. Nach wenigen Tagen verschwindet die Erscheinung ebenso plötzlich wie sie erschienen ist.
Die Inkubationszeit beträgt etwa zehn bis 50 Stunden. Dann treten die ersten Symptome der meist fieberfrei verlaufenden Erkrankung auf: starke Übelkeit, plötzliches Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall. Nach zwölf bis 60 Stunden klingt die Erkrankung von selbst wieder ab. Die Letalität ist mit unter 0,1 Prozent sehr gering. Dennoch sind im letzten Jahr in Deutschland 19 Menschen an der Infektion verstorben. Der Erreger ist vor allem für alte Menschen und Kleinkinder gefährlich, die besonders empfindlich auf den plötzlichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust reagieren.
Petra Schicketanz
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2007 auf Seite 47 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
