Venen: Blaue Adern unter der Haut

Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern können langfristig auch gefährlich für die Gesundheit werden. Um eine sichere Diagnose zu stellen sowie das Venensystem zu sanieren, stehen heute verschiedene Verfahren zur Verfügung. Diese stellte der Greifswalder Phlebologe Dr. med. Michael Jünger während der Isnyer Fortbildungstage vor.

Eingebettet ins Unterhaut- und Fettgewebe schlängeln sich die oberflächlichen Venen als Versorgungsund Drainagesystem durch die Beine. Schier unendlich viele kleine Gefäße sammeln dabei das Blut aus den Geweben, bis sie über größere Seitenäste in die beiden Rosenadern oder Stammvenen münden, beschrieb Jünger das raffinierte Versorgungssystem.

Die Vena saphena magna verläuft dabei vom Innenknöchel an der Beininnenseite bis zur Leistenbeuge, wo sie mit der Leitvene des Oberschenkels, der Vena femoralis, zusammenfließt. Die Vena saphena parva zieht sich vom äußeren Fußknöchel über die Rückseite des Unterschenkels bis zur Kniekehle und mündet dort in deren Leitvene, die Vena poplitea. Zwischen den beiden tiefen und dem Geflecht der oberflächlichen Venen sorgen Perforansvenen für den Blut- und Nährstoffaustausch.

Transport entgegen der Schwerkraft

Bildlich gesprochen fließt das Blut in gesunden Beinvenen von unten nach oben und von außen nach innen – wie in einer Einbahnstraße. Dabei wird der Fluss kontrolliert durch Venenklappen, die den Strom in die gewünschte Richtung leiten. Doch eine stehende Tätigkeit, höheres Lebensalter sowie eine genetische Disposition führen oft dazu, dass die Mündungsventile die Klappen nicht mehr richtig verschließen, erläuterte der Phlebologe. Das Blut strömt wieder rückwärts und versackt in den beiden Rosenvenen, aber auch in Perforanten oder Seitenästen. Der Druck steigt, und die Venen erweitern sich. Langfristig führt der Rückstau des Blutes zu einer dauerhaften Erweiterung der Gefäße bis hin zu knotig verdickten Krampfadern.

Wie schnell und wie effizient das Blut zum Herzen zurücktransportiert wird, hängt außer von den Venenklappen auch vom Sprunggelenk, von der Muskulatur in Beinen, Bauch und Rücken sowie von der Atmung des Patienten ab, machte Jünger deutlich. Kommt es schließlich zu Funktionseinbußen, bildet sich eine chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) aus.

Neben einem seit langem bestehenden Krampfaderleiden, einer primären Varikosis, kann auch eine frühere Beinvenenthrombose einer CVI zugrundeliegen. Bei einem fortgeschrittenen Krampfaderleiden treten bisweilen braune Hautverfärbungen auf, vor allem am Fußknöchel. Ob ein Patient auch solche Veränderungen an der Haut entwickelt, hängt davon ab, ob die hämodynamische Störung auch die Endstrombahn des venösen Systems, die Kapillaren, betrifft, erläuterte Jünger. Denn Druck auf deren zarte Wände lässt sie durchlässig werden und teilweise sogar aufplatzen. Flüssigkeit tritt aus und führt zu Ödemen, Hämoglobin lagert sich als braune Verfärbung unter der Haut ab.

Hannelore Gießen, Quelle: Isnyer Fortbildungstage, November 2007, Isny

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 04/2008 auf Seite 42 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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