Die Alchemie in der Heilkunde
Die Spagyrik hat ihren geistigen Ursprung in der Alchemie, einem philosophisch-naturwissenschaftlichen Gebäude, an dem viele Völker mitgebaut haben. Während sich die alchemistische Arbeit praktisch mit Prophylaxe, Diagnose, Arzneimittelherstellung und Therapie befasste, sprach man von der Spagyrik als einer eigenen Sicht des Menschen und dessen Wechselwirkung mit seiner Umgebung und der Natur.
Auf das Wohlbefinden des Menschen und seine Gesundheit wirken fassbare und unfassbare Faktoren ein. Es ist notwendig, den Menschen zusammen mit diesen beeinflussenden Kräften zu betrachten. Diesen Weg geht die spagyrische Heilkunst. Sie geht davon aus, dass alles Existierende aus den drei Grundelementen Sulfur, Merkur und Sal besteht. Auf diese Grundelemente sollen astrale Einflüsse einwirken, die im menschlichen Organismus bestimmte Bezugspunkte haben.
Sulfur, Merkur und Sal sind alte Begriffe der Alchemie, die nur als Symbole für die drei Ebenen Stoff, Information und Kraft verwendet werden und in diesem Sprachgebrauch nicht für Schwefel, Quecksilber oder Salz stehen. In einem spagyrischen Arzneimittel müssen die drei Elemente vereint sein:
- Sal als die stoffliche Basis
- Merkur als die „anonyme“ Heilkraft und
- Sulfur als die indikationsspezifische Ausrichtung der Heilkraft.
Um das Wohlbefinden des Menschen im Einklang mit der Natur zu erhalten oder wiederherzustellen, nutzt die Spagyrik positive Einflüsse aus der Natur, indem sie die im Stoff gefangenen Heilkräfte von der arzneilich nicht verwertbaren Grundsubstanz abtrennt. Erst dieser Trennprozess setzt Heilkräfte frei. Sie werden durch verschiedene Verfahren erhöht und in die Form eines therapeutisch handhabbaren Arzneimittels gebracht.
Unterschiedliche spagyrische Herstellungsprozesse sollen unterschiedliche Heilkräfte entwickeln. Die Kombination von Zubereitungen unterschiedlicher Herkunft ist für die maximale Steigerung der Heilkräfte des Arzneimittels wichtig.
Trennen und vereinen
Der Begriff „Spagyrik“ leitet sich aus der griechichen Übersetzung seiner Grundprinzipien ab: „spao“ bedeutet trennen und „ageiro“ vereinen. In der Arzneimittelherstellung können getrennte Teile mit solchen aus der gemeinsamen Herkunft oder mit Teilen aus unterschiedlichen Naturstoffen vereint werden.
Die unterschiedlichen spagyrischen Herstellungsverfahren dienen der Stofftrennung und „Erhöhung“ (Exaltatio). Erhöhung heißt, dass die dem Ausgangsstoff innewohnende Heilkraft herausgezogen und verstärkt wird. Grundsätzlich werden vier spagyrische Zubereitungsverfahren unterschieden.
Die Lösung eines Feststoffes in einem Lösungsmittel ermöglicht einen unbeschädigten Übergang der Heilkraft in die Zubereitung. Die Extraktion löslicher Bestandteile (z. B. aus pflanzlichem Material) kann mit oder ohne Wärmezufuhr erfolgen. Die Fermentation erfordert eine ethanolische oder milchsaure Gärung. Die Destillation kann einfach oder mehrfach erfolgen.
Im zweiten Fall wird das Destillat immer wieder auf den Rückstand gegeben und erneut abdestilliert. Die Zirkulation oder Rotation ist eine spezielle Rückflussdestillation, die kontinuierlich oder rhythmisiert durchgeführt wird.
Spagyrische Präparate können optimal kombiniert werden mit Heilkräutertees aus einer zur Indikation passenden Drogenmischung, die ein ideales Vehikel zur Aufnahme der Arzneimittel darstellt.
Sylvia Dauborn
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 05/2008 auf Seite 44 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
