Zu flüssig oder zu fest
Wenn der Stuhl plötzlich nicht mehr die richtige Konsistenz hat, ist das für die Betroffenen meist sehr unangenehm. Während sich Patienten mit Diarrhoe kaum von der Toilette heruntertrauen, würden die unter Obstipation leidenden manchmal sicher gerne mit ihnen tauschen. Welche pflanzlichen Hilfen gibt es für die beiden Darmerkrankungen?
Eine Diarrhoe kann vielfältige Ursachen haben, beispielsweise Infektionen oder die Einnahme abführend wirkender Medikamente. Auch die Psyche beeinflusst manchmal die Stuhlkonsistenz. Werden Lebensmittel nicht vertragen oder nur schlecht vom Körper verwertet, äußert sich dies meist ebenfalls in einer gehäuften Stuhlfrequenz. Zudem ist der Stuhl breiig, flüssig. Denn durch eine Störung des Verhältnisses zwischen Sekretion und Resorption im Darm erhöht sich der Flüssigkeitsanteil im Stuhl.
Halten die Beschwerden länger als drei bis vier Tage an oder ist der Stuhl blutig, muss der Arzt auf jeden Fall schwerwiegende organische Erkrankungen ausschließen. Ansonsten lassen sich die Symptome von unspezifischen Durchfallerkrankungen und Stuhlunregelmäßigkeiten infolge eines Reizdarms (Colon irritabile) mit pflanzlichen Mitteln gut behandeln. Geeignet sind unter anderem Pulver, Tinkturen und Teezubereitungen sowie ein standardisierter Trockenextrakt aus der Uzarawurzel. Leiden die Patienten unter einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, sind Phytopharmaka allerdings nur zur begleitenden Therapie geeignet. Dann werden vor allem Flohsamen, Indischer Flohsamen und Tormentillwurzelstock eingesetzt.
Ist hingegen die Stuhlfrequenz stark verringert und die Defäkation nur durch starkes Pressen, pharmakologischeoder mechanische Hilfsmittel möglich, spricht man von einer Obstipation (vgl. DAS PTA MAGAZIN 03/2008, Seite 10 ff). Sie kann begünstigt werden durch eine ballaststoffarme Kost, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme, Bewegungsmangel und Unterdrückung des Defäkationsreizes und tritt gehäuft im Alter auf. Neben einer Ernährungsumstellung und weiteren allgemeinen Maßnahmen (z. B. körperliche Bewegung, Bauchatmung durchführen, Stuhldrang nie unterdrücken) sind pflanzliche Quellmittel und osmotisch wirksame Zucker die erste Wahl, wenn es darum geht, den Stuhlgang wieder zu normalisieren. Sie eignen sich als alleinige medikamentöse Therapie auch zur längerfristigen Anwendung. Pflanzliche anthranoidhaltige Laxanzien sollten hingegen nur kurzfristig eingenommen werden. Eine dauerhafte Anwendung führt zu einer Gewöhnung. Für die Obstipation gilt: Tritt sie plötzlich auf, ist Blut im Stuhl oder kommt es zu starkem Gewichtsverlust, muss der Arzt andere organische Ursachen, vor allem kolorektale Tumoren, ausschließen
Kirsten Grashoff
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 06/2008 auf Seite 38 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
