Angst: In schwindelnder Höhe
Während manche Menschen mit größtem Vergnügen im Riesenrad die Welt von oben genießen, Gipfel erstürmen oder auf klapprigen Hängebrücken Schluchten überqueren, treibt anderen schon der Gedanke daran, eine Fußgängerbrücke zu benutzen, den Angstschweiß auf die Stirn. Wir fragten uns: Was ist eigentlich Höhenangst und was kann man dagegen tun?
Urlaubsstimmung und Kaiserwetter, besser können die Startbedingungen eigentlich nicht sein, denkt Brigitte L., als sie sich mit Mann und Kindern auf den Weg zu einem Bergausflug macht. Doch schon beim Betreten des Seilbahngeländes hat sie ein mulmiges Gefühl. Spätestens als sich die Gondel in die Luft erhebt sind ihre Hände feucht von Schweiß. Die Knie fühlen sich an wie Pudding, und im Hals spürt sie ihren heftig rasenden Pulsschlag.
Nicht die Angst vor einem Absturz der Gondel, sondern lediglich der von den Mitreisenden gerühmte, phantastische Ausblick in die Tiefe und die weite Sicht machen ihr den Ausflug zur Qual. Am liebsten würde sie sich auf den Boden der Kabine werfen und umklammert stattdessen verkrampft das Geländer. Hilflos schließt sie die Augen und hofft, dass der Alptraum bald ein Ende hat. Den Rückweg wird sie jedenfalls zu Fuß antreten, das zumindest ist jetzt schon sicher.
Vermeidungstalente
Brigitte L. leidet an Höhenangst, einem Zustand, der zu den spezifischen Phobien gehört und nichts mit der natürlichen Schutzfunktion Angst zu tun hat. Kennzeichnend für eine spezifische Phobie ist die Furcht vor einer Situation, die nicht nur zu einer emotionalen Belastung führt, sondern auch körperliche Symptome auslöst und Vermeidungsstrategien herausfordert.
Fast 15 Prozent aller Menschen erleiden im Lauf ihres Lebens eine klinisch relevante, spezifische Phobie, wobei der Frauenanteil zwischen 75 und 90 Prozent beträgt. Die Dunkelziffer dürfte allerdings weit höher liegen, da sich die Angst bei einer spezifischen Phobie auf ganz konkrete Dinge oder Situationen konzentriert, die sich in der Regel mit etwas Geschick vermeiden und überspielen lassen. Im Fall der Höhenangst braucht es meist nur einen kleinen Umweg, der sich gut mit dem Bedürfnis nach Bewegung und frischer Luft begründen lässt, ohne dass die Angstthematik überhaupt zur Sprache kommt.
Petra Schicketanz
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 09/2008 auf Seite 62 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
