Die kulturale Dimension gegenwärtigen Essverhaltens
Essen in der Gegenwart – ein Rätsel. Die Konsumenten werden von einer Informationswelle überschwemmt und können den vielen wirklich guten Ratschlägen kaum ausweichen. Immerhin eine Minderheit isst auch tatsächlich besser. Aber gleichzeitig wächst die Zahl derer, die sich wider besseres Wissen zu viel, zu fett und zu süß ernähren. Beim gegenwärtigen Stand der Forschung lässt sich dieses Paradoxon nicht schlüssig erklären.
Fest steht aber inzwischen, dass die historische Entwicklung und die kulturelle Prägung sowohl der Gesellschaft als auch des Einzelnen erheblichen Anteil an dem Dilemma haben. Im Dezember des Jahres 1997 stellte Volker Pudel in der Apotheken-Umschau eine Frage, die bis heute niemand schlüssig beantworten konnte: „Warum schmeckt ungesundes Essen so gut?“
Diese Frage offenbart ein Dilemma, denn die Fehlernährung führt von Diabetes bereits bei Kindern über Gelenkschäden bis zu psychischen Störungen. Klassische Problemlösungsstrategien, also Aufklärung und Beratung, können die gegenwärtigen Trends offenbar nicht umkehren, denn Kenntnisse über die Ernährungspyramide, Warnungen vor Fett und Zucker oder ein Acrylamid-Alarm führen bei den meisten Problemkandidaten nicht zu Verhaltensänderungen.
Korrespondierender Autor: Dr. Gunther Hirschfelder
Diesen Artikel finden Sie in Ernährung – Wissenschaft und Praxis 04/2007 auf Seite 156 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.