Traditionelle Chinesische Medizin, Teil 5: Harmonie durch Bewegung
Was haben Ziegelsteine zerschmetternde Shaolin-Mönche mit Entspannungsübungen zu tun? Und wie lassen sich Philosophie und Kampfkunst therapeutisch einsetzen? So widersprüchlich es auch scheinen mag, vermögen Qi Gong und Tai Chi genau diese Aspekte zu vereinbaren und bilden dadurch eine wichtige Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Qi ist die Kraft, die alle Dinge in Bewegung setzt. Es versorgt den Körper mit Nährstoffen und Energie, kontrolliert den Flüssigkeitshaushalt, tonisiert die Organe und schützt vor schädlichen äußeren Einflüssen. Durch die Atmung wird Qi rhythmisiert, es wird beim Ausatmen verlangsamt und beim Einatmen beschleunigt. Dieser Vorgang erstellt das Muster für alle pulsierenden, rhythmischen Abläufe im Organismus.
Nicht nur der Herzschlag steht aus diesem Grund in einem festen Verhältnis zum Atemrhythmus. Nach dem westlichen Verständnis werden diese Abläufe über das vegetative Nervensystem gesteuert: So steigert die Sympathikus-Aktivität den Herzschlag, während die Parasympathikus-Aktivität ihn verringert.
Alle modernen, mit Stress assoziierten Erkrankungen beruhen mehr oder weniger auf dem gleichen Prinzip, nach dem der Mensch ständig seiner körperlichen Eigenrhythmik entgegen lebt. So ist es vielleicht verständlich, dass sich im Umkehrschluss Bluthochdruck, Stoffwechselentgleisungen, Herzbeschwerden und andere Stress-Erkrankungen über rhythmisierende Atemübungen lindern lassen. Qi Gong und Tai Chi stellen die bekanntesten Methoden dar, mit denen sich der Qi-Fluss harmonisieren lässt.
Petra Schicketanz
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 10/2007 auf Seite 52 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
