Editorial: Der Fluch der Freiheit?

Wer sich oder seinen Kindern ein neues Handy unter den Weihnachtsbaum legen wollte, wurde hautnah damit konfrontiert, was die Liberalisierung eines Marktes für den Kunden – neben möglicher Kostenersparnis – ebenfalls bedeutet: Fleißarbeit. Denn wer den günstigsten Tarifanbieter sucht, muss sich zunächst durch ein fast unüberschaubares Angebot arbeiten.

Bei den Arzneimitteln könnte den Verbrauchern, angesichts der derzeitigen Entwicklung, in absehbarer Zeit ähnliches drohen. Darüber machte sich kürzlich auch ein Kommentator der Süddeutschen Zeitung Gedanken: Der Staat habe „seit dem Mittelalter“ die Preise für Medikamente fixiert und die Apotheker vor Konkurrenz geschützt. Mache die Gesetzgebung den Weg für Mitbewerber frei, bedeute mehr Wettbewerb nicht nur geringere Kosten für die Verbraucher – der Gesundheitsmarkt würde für sie auch unübersichtlicher. Kein Wunder also, dass der Kommentator in der Bevölkerung eine „merkliche Unsicherheit“ darüber feststellt, ob zu viel Freiheit nicht doch „ein Fluch“ sei.

Wer nun meint, dass die immer wieder vorgebrachten Argumente der Apotheker endlich auf fruchtbaren Boden gefallen wären, täuscht sich vermutlich. Vielmehr bekommen die Verbraucher einfach immer häufiger zu spüren, was Liberalisierung oder Privatisierung in der Praxis bedeuten – etwa dann, wenn sie Postbankgeschäfte mittlerweile bei Rewe an der Theke abhandeln müssen. Apotheken freilich könnten daraus sogar Vorteile ziehen: Wer sich mit Beratung und individueller Kundenbetreuung profiliert und zugleich attraktive Preise bietet, hat nach wie vor Chancen auf sein Auskommen. Über 2008 hinaus.

Herzlichst

Gabi Kannamüller


Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 01/2008 auf Seite 3 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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