Hauptstadt-Notizen: Auf ein Neues!

Geht es Ihnen auch so? Pünktlich zum Jahreswechsel blüht er wieder in voller Pracht: der Strauß an guten Vorsätzen, den man sich in der Silvesternacht wider alle Erfahrungen gebunden hat. Ich hab’ mir das eigentlich abgewöhnt, denn manche halten eine Woche, andere drei Tage, und wieder andere sind bereits am Neujahrsmorgen nur noch Makulatur. Stattdessen stelle ich Ansprüche und Wünsche an das neue Jahr. Aber ganz ehrlich: Wirklich geholfen hat das bislang auch nicht …

Einer dieser Wünsche war, dass es endlich einmal einen Jahreswechsel ohne die allseits bekannten Umstellungsprobleme in den Apotheken geben könnte. Und das sah doch auch beim AOK-Rabattvertrag – zumindest zeitweise – recht gut aus. Schon im Herbst hatte das größte aller Kassensysteme Erfolg vermeldet und Neuabschlüsse für insgesamt 83 Wirkstoffe angekündigt. Und die Verträge sollten auch noch für zwei Jahre abgeschlossen werden. Wäre das schön gewesen!

Nun ja, zum Jahreswechsel hätte es zwar Probleme mit den Kunden gegeben, die von einem Rabattvertragsarzneimittel auf das neue umgestellt werden müssen. Aber das wäre überschaubar gewesen. Zumal bei der langen Vorlaufzeit ausreichend Zeit gewesen wäre, sich mit den neuen Produkten zu bevorraten. Und selbst der langsamste Warenwirtschaftsanbieter hätte zum 1. Januar alle Daten eingespielt gehabt. Die Betonung liegt aber leider auf „hätte“.

Wer hat grad den Schwarzen Peter?

Denn dann sprachen erst einmal die Gerichte. Und alles wurde wieder verzögert. Dabei ist mir eigentlich egal, wer an der erneuten Misere Schuld hat. Die AOK schiebt den schwarzen Peter zu den Herstellern, die gegen die Vergabe geklagt haben. Die seien einfach nur schlechte Verlierer. Die Hersteller ihrerseits sehen die Schuld allein bei der AOK. Die hätte ja vernünftig ausschreiben können. Also da mische ich mich nicht ein.

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Meine Meinung steht ohnehin fest: Die Politik ist schuld. Denn die hätte die Gesetze direkt so machen müssen, dass ein solches Gerangel gar nicht erst hätte passieren können.

Deshalb ist einer meiner Wünsche für dieses Jahr auch, dass der Gesetzgeber vor der Verabschiedung neuer Gesundheitsreformen erst einmal prüft, ob das, was er da neu einführt, sich überhaupt in der Praxis umsetzen lässt. Aber auch dieser Wunsch wird sich wohl kaum erfüllen. Denn die Politiker haben ja mittlerweile gemerkt, dass ihre Gesetzeswerke kaum so schlecht sein können, dass sie in der Praxis nicht doch noch irgendwie umgesetzt werden. Frei nach dem Motto: Wir machen mal ein Gesetz und vertrauen darauf, dass es irgendeiner schon richten wird. Im Zweifel sind das dann die Apotheker. Das haben sie ja auch bei dem eigentlich nicht umsetzbaren AOK-Vertrag des Jahres 2007 wieder bewiesen.

Wo bleibt die Transparenz?

Schön wäre es nur, wenn endlich einmal genau gesagt würde, wie viel Geld durch die Rabattverträge denn nun tatsächlich eingespart wird. Davon müsste man dann erst einmal den zusätzlichen Verwaltungsaufwand bei den Kassen abziehen.

Weiterhin müsste man die Gelder subtrahieren, die einige Kassenärztliche Vereinigungen ihren Ärzten dafür zahlen, dass sie ihre Patienten auf Rabattvertragsarzneimittel umstellen. Nicht zuletzt aber gehört in diese Rechnung auch der zusätzliche (nicht pharmazeutische!) Beratungsaufwand in den Apotheken. Würde dieser nach der geleisteten Zeit honoriert, stünde das Ergebnis bereits jetzt fest. Der Aufwand übersteigt ganz sicher den Nutzen. So sparen nur die Krankenkassen, denen die Hersteller zusätzliche Rabatte geben. Die nicht honorierte Arbeit bleibt dagegen bei den Apotheken hängen. Das war im vergangenen Jahr so und wird 2008 ganz sicher nicht anders werden. In diesem Sinne: Auf ein Neues!

Der Autor war zwölf Jahre Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecher der ABDA. Er arbeitet heute als freiberuflicher Publizist und Politikberater in Berlin. Für APOTHEKE + MARKETING wirft Elmar Esser künftig in jeder Ausgabe einen ganz persönlichen Blick auf das gesundheitspolitische Geschehen.

Elmar Esser (elmaresser@e-zwo.info)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 01/2008 auf Seite 27 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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