Filialisierung: Das Dauerthema Personal
Einschlägige Publikationen vermitteln durchaus den Eindruck, dass es an pharmazeutischem Personal mangelt. Gerade geeignete Filialleiter/innen scheinen besonders rar zu sein. Dies stimmt zwar nur bedingt; dennoch sollte das Personal bereits im Vorfeld einer Filialgründung Thema werden. Worauf es hier ankommt, zeigt Teil vier der Serie zur „Filialisierung“.
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Bei mittlerweile rund 2000 Filialbetrieben ist die Sorge, kein geeignetes Personal für die Filiale zu finden, auf den ersten Blick verständlich. Andererseits werden jedes Jahr rund 1800 Approbationen neu erteilt, etwa 75 Prozent der Neuapprobierten sind weiblich. Gleichzeitig scheiden nur etwa 600 selbstständige Kollegen/innen aus. Das deutet eher auf einen Personalüberhang hin.
Das Schicksal des Berufsstandes haben also die Damen in der Hand: Ihre Bereitschaft, mehr als nur ein paar Stunden Teilzeit zu arbeiten, ist entscheidend für die Frage eines Personalmangels oder -überhangs. Da es zudem eher zu viele als zu wenige Apotheken gibt, besteht insoweit eine erhebliche Reserve. Vor leichtfertigen Forderungen nach einer Ausweitung der Ausbildungskapazitäten, die stets langfristige Festlegungen mitsichbringen, ist angesichts dieser Perspektiven zu warnen.
Dessen ungeachtet müssen Filialbetreiber aktuell mit lokal vorhandenen Engpässen leben: Manche Filialeröffnung musste bereits in Ermangelung geeigneten Personals verschoben werden. Vor allem auf dem Land oder in abgelegenen, weniger attraktiven Regionen ist es schwer, adäquate Verstärkung zu finden.
Nun lassen sich auch durchaus Aspekte finden, die die Perspektive „Filialleitung“ in etlichen Fällen nicht besonders reizvoll gestalten. Dies hat durchaus auch mit materiellen Faktoren (Bezahlung, Leistungsanreize) zu tun, aber dies sind keineswegs die einzigen Gründe. Stärkeres Gewicht haben beispielsweise die Arbeitszeiten. Gerade bei kleinen Filialen ist der Leiter, ähnlich wie ein Alleininhaber, an die Apotheke gekettet. Urlaubs- und Freizeiten werden zum steten Diskussionspunkt. Nicht wenige Filialen reizen die Apothekenbetriebsordnung, gelinde gesagt, aufs Äußerste aus. Und genau dies möchten Angestellte eben nicht.
Zudem sind häufig die Erwartungen der Filialbetreiber zu hoch, bzw. die dauerhafte Perspektive ist zu unsicher. Deutlich unterdurchschnittliche Objekte haben nun einmal keine besonders guten Aussichten, schon gar nicht als Filiale. Das spürt der Mitarbeiter sehr schnell, selbst wenn ihm konkrete Zahlen vorenthalten werden. Und wer setzt sich dann auf einen solchen „Schleuderstuhl“ und spielt das Versuchskaninchen für einen betriebswirtschaftlich unbedarften Chef?
Viele Probleme im Filialbereich sind also hausgemacht und das Resultat inkonsistenter, nicht zu Ende gedachter Betriebskonzepte. Daraus lässt sich bereits der erste Tipp ableiten.
Dr. Reinhard Herzog (heilpharm.andmore@t-online.de)
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 02/2008 auf Seite 36 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
