Ist die Apotheke von heute noch zu retten?

Angesichts der aktuellen Entwicklungen stellen sich – nicht nur Apotheker – zunehmend die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Apotheke. Die Antwort darauf ist vielschichtig. Und erfordert nicht nur fundierte Kenntnis der Szene sondern auch sorgfältiges Abwägen. Dr. Reinhard Herzog hat diese Aufgabe für APOTHEKE + MARKETING übernommen.

Vor einiger Zeit erschien das Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ von Prof. Hans-Werner Sinn vom Ifo- Institut in München. In Analogie dazu ist, angesichts der Entwicklungen der vergangenen Monate, die im Titel genannte Frage durchaus berechtigt: Ist die Apotheke in der heutigen Aufstellung noch zukunftsfähig? Leistet sie für Kunden und Kostenträger das, was sie kostet? Sind die vielen Reglementierungen oder beispielsweise das Fremdbesitzverbot in der heutigen Wettbewerbslandschaft überhaupt noch im Sinne der Apotheken oder ihrer Kunden?

Betrachten wir die derzeitige Situation der deutschen Apotheken, ergibt sich ein durchwachsenes Bild. Dabei ist zwischen Anspruch und Realität, zwischen den Motiven der Apotheke und den Belangen der Kostenträger, zwischen dem Möglichen (vielleicht auch Wünschenswerten) und dem vernünftigerweise noch Finanzierbaren zu unterscheiden. Möchten wir zu einer halbwegs objektiven Bestandsaufnahme gelangen, müssen wir den Standpunkt für einen Moment wechseln, aus der „Bodenperspektive“ in die „Adlerperspektive“ gehen und den Tatsachen losgelöst von eigenen Interessen ins Auge sehen.

Unbestreitbare Stärken des heutigen Apothekensystems sind

  • die flächendeckende Versorgung gemäß dem öffentlichen Auftrag der da lautet: „ordnungsgemäße Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln“,
  • der große Sortimentsumfang (über 300 000 Positionen im Stammdatensatz): Fast alles ist kurzfristig beschaffbar und ggf. bis an die Kundentür lieferbar,
  • die akademische Besetzung, verbunden mit „weichen“ Faktoren wie persönliche Betreuung,
  • die stabile Wertschätzung bei den Kunden. Aber Achtung: Was schätzen die Kunden wirklich?

Zahlreiche Schwächen des bisherigen Modells sind offensichtlich, der Berufsstand hat etliche „Baustellen“ zu bearbeiten – je schneller, umso besser. Denn der über viele Jahre gut funktionierende Pakt, wonach die Apotheken mit zahlreichen Regulierungen und Auflagen arbeiten müssen und zugleich – auch den Kostenträgern – Berechenbarkeit bieten, dafür aber Sicherheit in Form von feststehender Honorierung und Konkurrenzschutz von außen bekommen, geht für die Apotheken immer weniger auf.

Dr. Reinhard Herzog (heilpharm.andmore@t-online.de)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 02/2008 auf Seite 42 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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