Zertifizierte Fortbildung: Orale Kombinationsbehandlung von Diabetes Typ 2 (Sitagliptin)

Diabetes mellitus hat sich weltweit zu einer Epidemie entwickelt und betrifft alle Länder. Zwar steht bereits eine ganze Palette an Wirkstoffen für eine Behandlung zur Verfügung. Doch viele Patienten lassen sich damit nicht befriedigend einstellen – neue Therapieoptionen werden also dringend gesucht. Seit einigen Monaten steht mit Sitagliptin der erste Vertreter einer neuen Klasse von Antidiabetika zur Verfügung.

Foto: iStockphoto

Diabetes ist derzeit für 3,8 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Die Krankheit erreicht inzwischen ein ähnliches Ausmaß wie HIV/Aids. Einst als Alterskrankheit angesehen, hat Diabetes nun einen Generationswechsel vollzogen und betrifft zunehmend auch immer jüngere Personen im Arbeitsalter. Alle bisherigen Prognosen haben das Problem unterschätzt, und kaum jemand hat damit gerechnet, dass die „Epidemie des 21. Jahrhunderts“ sich über den gesamten Globus und erstaunlicherweise vor allem auch in den Entwicklungsländern rasant ausbreiten würde.

Jüngste Daten aus der dritten Auflage des Diabetes-Atlas zeigen, dass 246 Millionen Menschen weltweit an Diabetes leiden. Das entspricht 5,9 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung, wovon 80 Prozent in Entwicklungsländern leben. Schätzungen zufolge wird sich die Zahl der Erkrankten bis 2024 auf etwa 380 Millionen erhöht haben. In Deutschland leben derzeit rund sechs Millionen an Diabetes erkrankte Menschen. Weitere zwei bis drei Millionen sind erkrankt, ohne es zu wissen. Dabei machen Typ- 2-Diabetiker einen Anteil von 95 Prozent aus.

Typ-2-Diabetes tritt als Teil eines Symptomkomplexes auf, der als metabolisches Syndrom bezeichnet wird: Hyperglykämie, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und erhöhter Taillenumfang. Kennzeichen des Typ-2-Diabetes ist eine genetisch bedingte Insulinresistenz in den Körperzellen.

Zunächst reagiert der Körper mit einer Überproduktion von Insulin, die die Blutzuckerwerte anfangs noch im Normalbereich hält. Nach und nach erschöpft sich jedoch die Insulinproduktion in den β-Zellen des Pankreas, dessen frühe Insulinresponse postprandial als erstes zunehmend abgeschwächt wird und mit fortschreitender Erkrankung schließlich völlig ausfällt. So entsteht über das Zwischenstadium einer gestörten Glukosetoleranz ein manifester Typ-2- Diabetes. Diese Entwicklung wird ausgelöst und beschleunigt, wenn noch andere Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel hinzukommen.

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Die Gesundheitsausgaben für die Therapie und Prävention des Diabetes und seiner Komplikationen werden weltweit auf jährlich 232 Milliarden Dollar geschätzt. Die Behandlungskosten steigen dabei rascher als die Weltbevölkerung. Seit April 2007 ist mit Sitagliptin (Januvia®) ein neues orales Antidiabetikum auf dem deutschen Markt, das zur Behandlung des Typ-2–Diabetes zugelassen ist. Es ist zunächst ausschließlich als Zusatz zu Metformin (z.B. Glucophage®) oder einem Glitazon wie Pioglitazon (z. B. Actos®) oder Rosiglitazon (z.B. Avandia®) zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen, wenn Diät und Bewegung zusammen mit der jeweiligen Monotherapie den Blutzucker nicht ausreichend senken.

Sitagliptin ist der erste Vertreter der neuen Klasse der so genannten Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren (DPP-4-Inhibitoren, die auch als Gliptine bezeichnet werden. Es greift ebenso wie das subkutan anzuwendende Exenatide (Byetta®) in das Inkretinhormonsystem ein. Anders als das Hormonanalogon Exenatide, das die Inkretinwirkung nachahmt, hemmt Sitagliptin den Abbau körpereigener Inkretine.

Korrespondierender Autor: Dr. med. Christoph Schindler (christoph.schindler@tu-dresden.de)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 02/2008 auf Seite 52 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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