Hauptstadt-Notizen: Die Apotheken-APO
Seit dem 21. Februar hat das Wort APO für die Apotheken vielleicht eine ganz neue Bedeutung. Denn da meldete sich der neue Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) zu Wort. Der neue Verband hatte in das Haus der Bundespressekonferenz eingeladen, um sich der Berliner politischen Presse zu präsentieren.
Die politische Presse war zur Konferenz gebeten – erschienen waren aber primär Vertreter der pharmazeutischen Fachpresse und einiger gesundheitspolitischer Dienste. Und das war vielleicht auch ganz gut so.
Denn was der gesundheitspolitisch bislang unbekannte Verbandsgründer, Dr. Stefan Hartmann, mitzuteilen hatte, war eigentlich nicht viel Neues. Man wolle die inhabergeführte Apotheke stärken, meinte er, dem von seiner Vizepräsidentin Brigitte Walter assistiert wurde. Die wiederum ist im normalen Apothekerleben Filialleiterin einer der vier Apotheken ihres Vorsitzenden.
Motivation: unklar
So weit so gut. Unklar bleibt aber auch nach der Pressekonferenz, was den erfolgreichen Apotheker, der selbst eine Apothekenkooperation initiiert hat, dazu trieb, nunmehr mit der Verbandsgründung Neuland zu betreten. Zumal er selbst behauptet, keine Opposition zur ABDA betreiben zu wollen. Eine Stunde vor der Pressekonferenz hatte er einen Termin mit ABDA-Chef Heinz Günter Wolf, teilte er der Presse mit. Und zwischen sie beide passe kein Blatt. Warum muss denn dann diese neue Interessenvertretung sein? Zumal die auf der Pressekonferenz vorgestellten Satzungsziele des Verbandes eher eine Mischung aus den Satzungen von Bundesapothekerkammer und DAV sind.
Strategische Allianzen im Visier
Offenkundig ging es Hartmann darum, einen Kooperationsverband zu gründen, bevor andere ihm zuvorkommen konnten. Mehrfach betonte er, dass man die neue Organisation in nur zwölf Tagen auf die Beine gestellt habe. Man wolle die Interessen der mittelständischen Unternehmen bündeln, die auf die inhabergeführte Apotheke setzen. Dem BVDAK gehören neben Apothekern auch Steuerberater, eine Werbeagentur, Softwarehäuser und ein Verlag an. Mit diesen Partnern will Hartmann strategische Allianzen bilden.
Getrennt marschieren – gemeinsam schlagen?
Die Kernfrage ist, welche Botschaft er in Berlin hinterlassen hat. Sollte es die sein, dass die Apotheker selbst nicht mehr an die Verhinderung von Apothekenketten glauben, wäre das fatal.
Hartmann beschreibt sein Verhältnis zur ABDA so, dass er getrennt marschieren und dann gemeinsam schlagen will. Diese Strategie haben bereits die römischen Cäsaren bei ihren Gegnern geliebt. Der ehemalige Gesundheitsminister Horst Seehofer war geradezu ein Virtuose in der Gegenstrategie „teile und herrsche“.
Ist Opposition den Zielen dienlich?
Die Zeiten werden für die deutschen Apotheker ganz sicher nicht problemloser. Dafür werden schon der Europäische Gerichtshof und die EU-Kommission mit ihrem Vertragsverletzungsverfahren sorgen. Allen Zweifeln aus den eigenen Reihen zum Trotz gilt die ABDA im politischen Berlin zu Recht als einer der erfolgreichsten Lobbyverbände im Gesundheitswesen. Auch deshalb, weil sie die Interessen des relativ kleinen Berufsstandes der Apotheker mit einer Stimme vertritt.
Ob da eine außerparlamentarische Opposition wirklich nutzt, darf man bezweifeln. Zumal dann, wenn die politischen Grundauffassungen tatsächlich so vergleichbar sind, dass zwischen sie kein Blatt passt.
Elmar Esser (elmaresser@e-zwo.info)
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 03/2008 auf Seite 31 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
