Finanzen: Wegweiser durch den Förderdschungel

Die Immobilienkrise und ihre Folgen mit ihren nach wie vor kaum zu übersehenden Kreditausfällen ist für Apotheken noch längst nicht ausgestanden. Wer neue Kredite aufnehmen will oder muss, sollte sich auch über die Angebote öffentlicher Institutionen informieren, die oft nicht nur zinsgünstiger sind als die der Hausbank, sondern auch auf fast jeden Investitionszweck zugeschnitten.

Die Offenheit war entlarvend: Als Herbert Meixner, Inhaber einer Apotheke aus dem Saarland, den Termin mit dem zuständigen Kundenberater seiner Hausbank wahrnahm, um über die Details einer betrieblichen Finanzierung zu reden, wurde er mit den Worten empfangen, dass „an eine zusätzliche Finanzierung zu den bisherigen Konditionen derzeit überhaupt nicht zu denken“ sei.

Als Grund für die deutlichen Worte nannte der Bankmitarbeiter vor allem die Immobilienkrise der vergangenen Monate. Diese habe der Vorstand der Bank zum Anlass genommen, die Mitarbeiter ganz offiziell „zu einer noch sorgfältigeren Kreditprüfung jedes einzelnen Kreditengagements in Verbindung mit möglichen Risikozuschlägen“ als bisher ohnehin schon üblich aufzufordern.

Für Meixner hätte dieser „Risikozuschlag“ Mehrkosten von rund 4000 Euro pro Jahr bedeutet und zu einer zusätzlichen Zinsbelastung von insgesamt etwa 16 000 Euro für die ursprünglich geplante Kreditlaufzeit von fünf Jahren geführt. Erst als der Apotheker vor dem Hintergrund seiner fast zehnjährigen Geschäftsverbindung mit seiner Bank nachdrücklich auf einer preisgünstigen Finanzierungsalternative bestand, bot ihm der Bankmitarbeiter ein weiteres Gespräch mit dem für öffentliche Finanzierungen zuständigen Kollegen an.

Günstige Kreditalternativen suchen

Die Erfahrung, die Herbert Meixner machen musste, ist vielen Apothekenleitern bekannt. Die Interessenlage des jeweiligen Kreditinstitutes deckt sich, aktuell offensichtlich verstärkt durch die eher unübersichtliche Finanzsituation vieler Banken infolge der erwähnten Immobilienkrise, nicht immer mit der des Unternehmers.

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Da die Marge für die Bank bei der Vermittlung öffentlicher Finanzierungen in der Regel nicht annähernd so hoch ist wie bei eigenen Krediten, ist der Verdacht gerechtfertigt, dass Förderprogramme öffentlicher Institutionen, zum Beispiel der KfW-Mittelstandsbank, des Bundes, der Länder oder internationaler Institutionen, nicht gerade offensiv vom Bankmitarbeiter vor Ort angeboten werden.

Dabei bieten gerade diese oft interessanten Finanzierungsalternativen nicht nur zinsgünstige, sondern auch auf fast jeden Investitionszweck zugeschnittene Gelder. Nicht nur Betriebsinhaber, denen ihre Bank die gewohnten Konditionen verweigert, sollten also hartnäckig bleiben und gezielt nachfragen: Nahezu jede Bankengruppe beschäftigt inzwischen Fachberater, die sich ausschließlich auf den komplexen, mittlerweile europaweit etwa zweitausend Finanzierungsprogramme umfassenden, sprichwörtlichen „Förderdschungel“ spezialisiert haben.

Michael Vetter (vetter-finanz@t-online.de)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 03/2008 auf Seite 46 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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