Zertifizierte Fortbildung: Antianämika – der Wirkstoff Erythropoetin als Biosimilar

Für die korrekte Bildung der roten Blutzellen ist das in den Nieren produzierte Erythropoetin unerlässlich. Eine therapeutische Substitution des Hormons wird bei Niereninsuffizienz sowie bei Tumorerkrankungen angewandt – seit Ende der achtziger Jahre mit biotechnologisch hergestelltem Erythropoetin. Jetzt kamen die ersten Biosimilars des Wirkstoffs auf den Markt.

Historie: Für die Behandlung der renalen Anämie infolge einer schweren Niereninsuffizienz bzw. einer Chemotherapie von Tumorerkrankungen ist rekombinantes Erythropoetin eine wichtige Therapieoption. Die therapeutische Anwendung des Erythropoetins (Epoetin, EPO, rhEPO) ist eng verbunden mit der Kenntnis über Entstehung und Funktion der einzelnen Blutbestandteile. Die Entdeckung des Erythropoetins geht auf Allan Jacob Erslev in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück, einem Wissenschaftler am New Haven Hospital an der Yale University.

Erythropoetin stellt einen so genannten Wachstumsfaktor für die Biosynthese von Erythrozyten dar und wird in der Niere gebildet. Die Identifizierung der humanen Erbanlagen, die die Bildung des Erythropoetins verschlüsseln, gelang durch Mitarbeiter des US-amerikanischen Biotechnologieunternehmens Amgen.

Die Klonierung und Expression von rekombinantem humanem Erythropoetin (rhEPO) in Escherichia coli erfolgte 1985. In der Folge gelang dies in den Ovarzellen chinesischer Hamster bzw. Baby-Hamster-Nierenzellen, so dass die Voraussetzung für die großtechnische Produktion von rekombinantem Erythropoetin geschaffen wurde. Im Jahre 1988 wurde das erste biotechnologisch produzierte Erythropoetin (bekannt als Epogen bzw. Epoetin- alfa) als Arzneimittel Erypo® und Eprex® eingeführt.

In der Folge kamen weitere modifizierte Molekülvarianten im Glykosilierungsmuster von Erythropoetin zum Einsatz. Zu diesen zählt das Epoetin-beta, das 1990 unter dem Namen NeoRecormon® von Boehringer Mannheim auf den Mark gebracht und heute durch Roche Pharma AG vertrieben wird. In Deutschland verfügbare Fertigarzneimittel* mit Epoetin-alfa sind Eprex® und Erypro® sowie das rekombinante Erythropoetin- Analogon Darboetin-alfa, das als Aranesp® zur Verfügung steht. Epoetin delta, das unter dem Fertigarzneimittel Dynepo® erhältlich ist, unterscheidet sich von Epoetin in der Struktur des Kernproteins und der Kohlenhydratketten.

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Nachdem der Patentschutz für rekombinantes Erythropoetin 2007 abgelaufen ist, sind nun erstmals generische Varianten dieses biotechnologischen Arzneimittels zugelassen worden. Diese werden auch als so genannte Biosimilars bezeichnet. Der Begriff Biosimilar steht für »Similar Biological Medicinal Product« und beschreibt Folgepräparate von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln, die auch als Biopharmazeutika bezeichnet werden. Zum 1. Oktober 2007 sind entsprechende Biosimilars der pharmazeutischen Hersteller Hexal (Epoetin alfa Hexal®) sowie Medice (Abseamed®) und zum 1. November 2007 Binocrit® von Sandoz eingeführt worden.

Die Biosimilars sind zur Behandlung der Anämie bei chronischer Niereninsuffizienz bei Kindern und Erwachsenen unter Hämodialysebehandlung und bei Erwachsenen unter Peritonealdialysebehandlung zugelassen. Bei einer Peritonealdialyse wird Dialysierflüssigkeit in die Bauchhöhle ein- und wieder abgelassen. Biosimilars dienen auch der Behandlung der schweren symptomatischen renalen Anämie bei Erwachsenen mit Niereninsuffizienz, die noch nicht dialysepflichtig sind.

Darüber hinaus werden sie bei Erwachsenen mit einer Anämie als Folge von soliden Tumoren, malignen Lymphomen oder multiplem Myelom angewandt, um den Transfusionsbedarf an Vollblut bzw. an Erythrozytenkonzentrat zu mindern. Auch Patienten, die eine Chemotherapie erhalten und die aufgrund ihres Allgemeinzustandes ein erhöhtes Risiko tragen, Bluttransfusionen zu benötigen, werden supportiv mit EPO behandelt.

* Fertigarzneimittel: Epoetin alfa Hexal®, Abseamed® Medice, Binocrit® Sandoz

Korrespondierender Autor: Apotheker Andreas Fuchs (andreas.fuchs@tu-dresden.de)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 03/2008 auf Seite 52 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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