Vor Ort: Paracelsus-Apotheke in Lünen-Brambauer
Die Paracelsus-Apotheke in Lünen-Brambauer wurde Mitte November 2007 nach erfolgtem Umbau neu eröffnet. Apotheker Stephan Göbel hat sich nicht nur auf Suchtabhängige und ältere Menschen spezialisiert: Seine Apotheke ist ein Beispiel dafür, dass bereits die Gestaltung von Fassade und Offizin soziale Kompetenz signalisieren kann.
Foto: Brilo
Die Zeiten sind bekanntlich hart: Die Kaufkraft nimmt ab, König Kunde dreht jeden Cent ein paar Mal um, immer mehr Mitbewerber drängen auf den Apothekenmarkt und üben sich nicht zuletzt im Preiskampf. Der Lünener Apotheker Stephan Göbel, der im Jahr 2007 die Paracelsus-Apotheke im Stadtteil Brambauer umgestalten ließ, schuf mit diesem Umbau Ungewöhnliches: die Voraussetzung für den Dienst am Kunden – durch ein marketingstrategisches Konzept, das nicht von Niedrigpreisen bestimmt wird.
Auf unterschiedliche Zielgruppen eingehen
Sehr konträre soziale Schichten prägen den Stadtteil Brambauer. Jung und Alt treffen ebenso aufeinander wie Kaufkraft und der Zwang zur Sparsamkeit. Anfang 2007 war die Erdgeschossebene der in einem Mehrfamilienhaus angesiedelten Apotheke nach hinten durch einen Neubau erweitert worden. Die Apotheke wurde komplett in diese neuen Räume verlegt – mit einer provisorischen Offizin. Im zweiten Bauabschnitt wurde der Altbau renoviert, und mit dem Abriss der Zwischenwand sollte alles zu einem Ganzen verschmelzen. Das ganze Bauvorhaben dauerte nur neun Monate.
„Wir mussten unter dem Aspekt der Standortsituation ein architektonisches Konzept ausarbeiten, das sich genau auf die Zielgruppe konzentriert“, bringt es die Dorstener Architektin Renate Hawig auf den Punkt. Fakt ist: Kunden erwarten in einer Apotheke immer eine freundliche Atmosphäre – das ist Standard. „Unser Ziel war es, dem Kunden konsequent zu vermitteln, dass er im Mittelpunkt steht, und dass das Team sich für ihn Zeit nimmt“, formuliert es Apotheker Göbel. Dabei sei es ganz unerheblich, ob Ältere, Behinderte oder auch Suchtpatienten mit Medikamenten versorgt werden müssten. Das Apothekenteam, infiziert vom Virus „sozialer Kompetenz“, stelle sich hier absolut in den Dienst des Nächsten.
Nach außen deutliche Kundennähe signalisieren
Im Zuge der Umbaumaßnahme bekam der Haupteingang der Paracelsus-Apotheke eine neue Glasfassade, die einen komfortablen Eingang und einen Notdienstschalter bietet. Das Apothekenäußere fällt damit aus dem üblichen, standardisiertem Rahmen – auch wenn die Offizin in einem Mehrfamilienhaus untergebracht ist: Die klare Außenfront schafft ein Band der Harmonie zur innerstädtischen Umgebung, die weiße Geschäftsfassade mit dem markanten Paracelsus- Logo gibt dabei den Ton an – wobei die Außenwerbung über die gesamte Breite der Schaufensterfront verläuft.
Zugleich manifestiert sich im Äußeren der Apotheke deren marketingstrategischer Grundgedanke, Großzügigkeit und Kundennähe zu bieten. Dies zeigt sich beispielsweise in sich automatisch öffnenden zweiflügeligen Eingängen, wobei der zweite Eingang mit einem Zugang zu den Kundenparkplätzen verbunden ist. Die beiden Eingänge erleichtern sowohl älteren als auch behinderten Personen sowie Müttern mit Kinderwagen ein barrierefreies Eintreten.
Auch das Apothekeninnere wurde barrierefrei ausgearbeitet. „Meine Aufgabe war es, eine Apotheke zu konzipieren, die lebendig und modern gestaltet ist“, drückt es die auf Apotheken spezialisierte Architektin Renate Hawig aus. Wie bei all ihren designten Gesundheitszentren – bisher sind dies mehr als 100 – analysierte sie bis in kleinste Detail vor Auftragserteilung die wichtigen Fragen der Apothekengestaltung. „Wer das nicht macht, erzielt keine Nachhaltigkeit“, ist sie überzeugt.
Carmen Groschwitz (c.groschwitz@t-online.de)
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 04/2008 auf Seite 38 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
