Kreditverträge: Einseitige Partnerschaft zugunsten der Bank?
Partnerschaften funktionieren bekanntlich dann am besten, wenn alle Beteiligten davon profitieren. Das gilt nicht nur ganz allgemein im Privat- und Berufsleben, sondern zum Beispiel genauso in der geschäftlichen Beziehung zwischen Unternehmern bzw. Apothekern und ihren kreditgebenden Geldinstituten.
Die Begründungen, mit denen Banken ihre Zinssätze erhöhen oder – selten – senken, sind nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar und lassen sich erfolgreich hinterfragen. Ein Beispiel mag das verdeutlichen. Bei Siegfried Walter, Apothekeninhaber aus Dresden, riss der sprichwörtliche Geduldsfaden nach sechsjähriger Zusammenarbeit mit seinem Geldinstitut: Innerhalb eines Zeitraums von noch nicht einmal zwei Jahren hatte seine Hausbank den Zinssatz seines Überziehungskredites insgesamt sechs Mal erhöht. Aus ursprünglich acht Prozent sind mittlerweile 13 Prozent geworden, so dass die finanzielle Mehrbelastung bei einer Kreditlinie von 25 000 Euro immerhin 1250 Euro pro Jahr beträgt.
Gründe für Zinserhöhungen genau prüfen
Der für Apotheker Walter zuständige Bankmitarbeiter machte für diese deutlichen Zinserhöhungen einen „nachhaltigen Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus“ verantwortlich. Deshalb, so argumentierte er, „müssen wir diese Zinserhöhungen in der Breite nachvollziehen, da wir ja auch unsere Anlagezinsen erhöhen“. Walter gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Er bat seinen Steuerberater, die Auskunft des Sachbearbeiters zu prüfen und sich zu diesem Zweck einmal die Zinssatzentwicklung seiner Geldanlagen bei der Bank über die vergangenen beiden Jahre anzusehen.
Der Bericht des Steuerberaters bestätigt die Vermutung Walters: Innerhalb des geprüften Zeitraums hat es zwar marginale Zinssatzerhöhungen gegeben; diese reichten allerdings nicht einmal annähernd an die jeweiligen Kreditzinserhöhungen heran. Und: Fast alle Erhöhungen der Anlagezinsen erfolgten im Vergleich zu den Zinserhöhungen für Kredite erst mit zeitlicher Verzögerung.
Michael Vetter (vetter-finanz@t-online.de)
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 04/2008 auf Seite 44 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
