Editorial: Geiz ist gar nicht geil
Zugegeben: Es war zunächst nur ein schwarzes Schaf in der Herde der Tankstellenbetreiber, das sich vergangenen Monat in Sachsen im Verkauf apothekenpflichtiger Produkte übte. Aber wenn nach dem „dm-Urteil“ nun auch die ersten Versandhändler laut über die Aufnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten in ihre (Quelle-)Kataloge nachdenken, muss man sich doch über die rasant wachsende Zahl der potenziellen Einsteiger in den Arzneimittelmarkt wundern.
Fürchten muss man sich jedoch nicht: Der Preis hat durchaus Einfluss auf die Empfindungen der Verbraucher. Wie Studien ergeben haben und auch Forscher in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichten, schmeckt teurer Wein, wenn er denn mit den entsprechenden Marketingmaßnahmen angepriesen wird, den Probanden besser als ein billigeres Vergleichsobjekt.
Und das gilt nicht nur für Wein: Auch bei Medikamenten, das wiesen Wissenschaftler am US-amerikanischen Institut of Technology nach, wirkt sich ein hoher Preis positiv auf den Erfolg einer Therapie aus (JAMA 2008; 299: 1016).
Es kann und muss also in der Apotheke im möglicherweise bevorstehenden Kampf um Marktanteile gar nicht darum gehen, die eigene Leistung zu Dumpingpreisen zu verschleudern. Denn die Kunden werden – auch gefördert durch solch unbewusste Reaktionen – in einem gesunden Preis-Leistungs-Wettbewerb das weit über das reine Produkt hinausgehende Beratungs- und Serviceangebot der Apotheke zu schätzen wissen.
Das zum Beispiel nach Auskunft der ABDA im vergangenen Jahr darin bestand, 6900 Verdachtsfälle auf Arzneimittelrisiken zu vermelden und 15 Millionen Rezepturen herzustellen. Von der ganz alltäglichen Beratung, Nacht- und Notdiensten, telefonischen 24-Stunden-Hotlines ganz zu schweigen. Der Markt wird viel richten.
Herzlichst, Karin Frese
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 05/2008 auf Seite 3 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
