Diabetiker: Auf die Lebensführung kommt es an
Eine wichtige Komponente in der Behandlung von Typ-2-Diabetikern ist die Therapietreue. Genauso wesentlich ist es aber, Betroffene darauf hinzuweisen, dass sie ihre Krankheit nur durch eine angemessene Lebensweise – mit gegebenenfalls Gewichtsreduktion, gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung – in den Griff bekommen.
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Frau Pohl, Stammkundin in der Apotheke, Ende Fünfzig und übergewichtig, kommt von ihrem Hausarzt, um ein Rezept einzulösen. Der Arzt hat ihr Metformin verordnet. Frau Gärtner, PTA, nimmt das Rezept entgegen, prüft die Rabattvertragskriterien und händigt Frau Gärtner das Arzneimittel aus. Da sie in der Kundendatenbank nachsieht, weiß sie, dass Frau Pohl dieses Arzneimittel noch nicht kennt. Bisher hatte der Arzt ihr Medikamente gegen hohen Blutdruck und hohe Cholesterinwerte verschrieben.
Der Gesprächsverlauf
„Frau Pohl, ihr Arzt hat Ihnen heute ein sehr bewährtes Mittel zum Senken hoher Blutzuckerwerte verordnet. Ich sehe, Sie haben es heute zum ersten Mal bekommen. Welche Informationen haben Sie dazu erhalten?“ Frau Pohl antwortet: „Ich versuche schon seit Wochen auf Empfehlung des Arztes, meine hohen Blutzuckerwerte in den Griff zu bekommen. Deshalb ernähre ich mich gesund und trinke oft Obstsäfte wegen der Vitamine. Aber bisher hatte ich keinen Erfolg. Jetzt soll ich morgens und abends diese Tabletten nehmen. Muss ich nun immer Traubenzucker bei mir haben? Ich habe gehört, Zuckerkranken wird dazu geraten.“
Die PTA antwortet: „Dieses Medikament hat den Vorteil, dass Sie ganz beruhigt sein können, was eine mögliche Unterzuckerung angeht. Sie ist nicht zu befürchten. Deshalb brauchen Sie auch den Traubenzucker für den Notfall nicht. Wichtig ist aber, dass Sie die Tabletten ganz regelmäßig morgens und abends zum Essen oder direkt danach einnehmen. Sollten Sie einmal eine Einnahme vergessen haben, so holen Sie die Einnahme bitte nicht nach, indem Sie auf einmal zwei Tabletten einnehmen. Wenn Sie zwischendurch einmal Ihren Blutzuckerwert überprüfen möchten, so kommen Sie zu uns. Wir kontrollieren ihn schnell und ohne dass Sie sich lange vorher anmelden müssen. Hier habe ich noch einige Informationsbroschüren speziell für Diabetiker.“ Damit verabschiedet die PTA ihre Kundin freundlich.
Die Fallanalyse: Was lief gut?
Bemerkenswert ist, dass Frau Gärtner bei Stammkunden mit den Informationen, die sie aus der Kundendatenbank bekommt, arbeitet. So stellt sie fest, dass das Metformin eine Erstverordnung ist. Sie hat zudem eine übergewichtige Patientin mit Bluthochdruck und Hypercholesterinämie vor sich. Damit sind drei Kriterien für ein metabolisches Syndrom gegeben. Die Dosierung für das Medikament hat die PTA mit guter Fragetechnik (offene W-Frage) aufgegriffen.
Sie hat Frau Pohl darauf aufmerksam gemacht, eine vergessene Einnahme nicht nachzuholen und womöglich zwei Tabletten auf einmal zu nehmen. (Hier besteht die Gefahr einer Laktatazidose, einer sehr seltenen, aber sehr schwerwiegenden Nebenwirkung). Ängste bezüglich einer Unterzuckerung, wie sie bei anderen Antidiabetika möglich ist, hat Frau Gärtner angesprochen und mit Hilfe positiver Formulierungen entkräftet.
Dr. Lieselotte Hartmann (l.hartmann@redline-seminare.de)
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 05/2008 auf Seite 16 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
