Hauptstadt-Notizen: Globale Selbstzerfleischung

Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung im Stern hätte ungünstiger nicht sein können. Während die Apotheker noch mit den Krankenkassen über die Höhe der Absenkung des Apothekenrabattes verhandeln, suggeriert der Artikel „Die geheime Kasse der Apotheker“, dass sich die Branche flächendeckend mit selbst geschaffenen Umgehungstatbeständen über das gesetzliche Rabattverbot hinwegsetzt.

Über die Gründung des Unternehmens Global Apo in Österreich sollen deutsche Apotheker versucht haben, das gesetzliche Rabattverbot zu umgehen, indem die Firma Honorar für die Umsatzsteigerung von Produkten bestimmter Hersteller erhielt. Und das floss dann – so der Stern - als Unternehmensgewinn an die deutschen Genossen zurück.

Erstmal stehen alle Apotheker am Pranger

Für den Autor, Markus Grill, ist das Thema eine Herzensangelegenheit. War es doch seine Titelstory über das Ulmer Pharmaunternehmen ratiopharm, die seinerzeit mitten in ein laufendes Gesetzgebungsverfahren platzte - und wohl mit ein Grund dafür war, das von vielen Politikern ohnehin schon seit langem geforderte Rabattverbot in einen Gesetzestext zu gießen. Jetzt, da er ein Schlupfloch aus diesem Gesetz aufgedeckt hat, legt Grill nach. Journalistisch ist das nachvollziehbar. Die gleichzeitig gegen die gesamte Apothekerschaft gerichteten Unterstellungen, dass es noch mehr Unternehmen wie Global Apo gebe, aber wohl kaum.

Das ist allerdings nicht das eigentliche Problem. Das liegt vielmehr im eigenen Berufsstand. Zumindest, wenn alles so stimmt, wie der Stern es schreibt. Niemand konnte doch davon ausgegangen sein, dass eine derartige Konstruktion über Jahre hinweg unbemerkt bleibt. Es gibt immer Menschen, die sich zum Beispiel in Unfrieden von einem Unternehmen trennen und dabei Unterlagen mitnehmen, um sie an die Presse weiterzuleiten. Jetzt steht jedenfalls der allgemeine Vorwurf gegen die gesamte Apothekerschaft im Raum. Und das könnte enorme Auswirkungen haben.

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Politischer Flurschaden

Es ist gut, dass sich die ABDA, zum Beispiel gegenüber dem Handelsblatt, direkt und komplett von Global Apo distanziert hat. Denn selbst wenn das Konstrukt rechtlich einwandfrei sein sollte, kann der politisch angerichtete Flurschaden immens sein. Der Stern benennt eine Summe von 200 000 Euro, die als Honorar für Dienstleistung an die Global Apo geflossen sein soll. Ihr gehören insgesamt 27 Apotheker als Genossen an, deren Apotheken einen Mindestumsatz von 1,5 Millionen Euro haben müssen. Gegenüber der Forderung der Apotheker, den Kassenabschlag in einer Größenordnung von insgesamt 350 Millionen Euro abzusenken, ist diese Summe fast lächerlich gering. Kosten könnte sie aber viel mehr – und zwar alle Apotheker.

Denn der Sternbeitrag gibt jetzt all denen Oberwasser, die ohnehin gegen die Absenkung des Kassenrabattes waren, der den Apothekern allein schon laut Gesetzestext zusteht. Hinzu kommen die deutlichen Mehrbelastungen durch die Rabattverträge. Die ursprünglich schon parafierte Vereinbarung mit dem GKV-Spitzenverband wurde nach Intervention aus dem BMG bereits auf Eis gelegt. Jetzt stehen die Chancen für einen erfolgreichen Abschluss noch einmal schlechter.

Wichtig: die klare Hinwendung zum Heilberuf

Nicht nur der drohende Fall des deutschen Fremdbesitzverbotes macht klar, wie angreifbar die rein ökonomische Betrachtungsweise des Apothekerberufes ist. Der Bundesrat hat daher zu Recht auf die Heilberuflichkeit gesetzt und dabei volle Unterstützung von der ABDA bekommen. Nur die klare Hinwendung zum Heilberuf lässt nämlich Schutzzäune, wie sie die öffentlichen Apotheken derzeit (noch) haben, als gesundheitspolitisch sinnvoll erscheinen. Aktionen, wie die jetzt vom Stern recherchierte, gleichen dagegen einer „globalen“ Selbstzerfleischung. So etwas ist ganz sicher nicht zur Nachahmung empfohlen.

Elmar Esser (elmaresser@e-zwo.info)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 12/2008 auf Seite 25 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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