Spenden, Sponsoring & Co.: Social Marketing als Alternative

Vor Weihnachten und im Katastrophenfall sind die Spendeneinnahmen sozialer Organisationen am höchsten. Doch viele Betroffene sind das ganze Jahr über bedürftig. Ein Umstand, auf den aufmerksam machen kann, wer eine gewisse Außenwirkung und Meinungsbildnerposition hat. Gutes zu tun und darüber zu reden, ist nicht anstößig. Unter einer Voraussetzung: Die Hilfe ist ernst gemeint.

Nichts ist augenfälliger als ein mühsam antrainiertes Verhalten, das der eigenen Persönlichkeit womöglich gar nicht entspricht. In Amerika gab es vor längerer Zeit ein Experiment, bei dem Gehörlose im Fernsehen die Rede eines Präsidenten verfolgt haben. Anschließend kamen fast alle übereinstimmend zu dem Schluss, dass der Redner nicht das gemeint habe, was er sagte.

Eine klassische Text-Bild-Schere also, die immer dann auftritt, wenn das Bauchgefühl meldet: „Hier stimmt etwas nicht!“. Dieses seltsame Gefühl, wenn Denken und Handeln nicht zueinander passen, ist nicht nur bei Kindern besonders ausgeprägt. Wer also nicht unbedingt eine soziale Ader hat, sollte sich gar nicht erst mit Social Marketing befassen – ausreichend andere Marketinginstrumente stehen zur Verfügung.

Indes besitzen Apothekerinnen und Apotheker aufgrund ihres Berufes in aller Regel bereits eine gewisse soziale Grundkompetenz. Schließlich sind Gesundheit und Wohlergehen der anderen Menschen Sinn und Zweck des Berufsstandes. Die Möglichkeiten zu sozialem Engagement sind sowohl lokal als auch überregional vielfältig und lassen sich ohne schlechtes Gewissen für das Image nutzen (Stichwort „Öffentlichkeitsarbeit“, siehe dazu auch APOTHEKE + MARKETING, 07-08/2008).

Das passende Projekt finden

Um zu einem sozialen Projekt zu gelangen, das zur Apotheke und zum Team passt, lassen sich zwei verschiedene Wege gehen. Zunächst einmal ist zu überlegen, was den Kunden oder vorrangigen Zielgruppen wohl direkt oder indirekt zugute käme. Die andere Möglichkeit: herausfinden, was zu einem selbst passt, worin man für sich einen Selbstzweck sieht, wenn eine entsprechende Einrichtung unterstützt wird oder was einem selbst Spaß macht.

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Das kann ein Projekt sein, das mit älteren Menschen zu tun hat, mit Kindern, Frauen, Sportlern, Behinderten. Es kann sich um Menschen, Tiere, Institutionen oder Ideen handeln. Es kann sich um Gesundheit, um Wirtschaft, um Kunst, um Forschung drehen. Nachfolgend finden Sie Beispiele für einige solcher Möglichkeiten und Tipps dazu, wie man sie in das Apothekenmarketing integrieren kann.

Hinweis: Alle hier aufgeführten Einrichtungen sind beispielhaft zu verstehen. Es gibt zahlreiche Stiftungen, Organisationen und Institutionen, die soziale Zwecke unterstützen und mit denen man zusammenarbeiten kann. Eine komplette Auflistung ist nicht möglich, weil auch in Einzelfällen immer wieder „schwarze Schafe“ darunter sind, die eher eigennützige als gemeinnützige Zwecke verfolgen. Wer sicher gehen möchte, dass Spenden dort ankommen, wo sie ankommen sollen, sollte beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen/DZI (www.dzi.de) im Spenden-Siegel-Bulletin nachschlagen oder eine Einzelauskunft (gegen dreimal 55 Cent in Briefmarken) einholen.

Welthungerhilfe

Manche Menschen auf dieser Welt tun es freiwillig, andere bezahlen es mit dem Leben: Sie hungern. Die Fastenzeit, die Zeit nach Fasching und Karneval, bietet beispielsweise einen guten thematischen Ansatz, um auf die Notstände in bestimmten Regionen der Welt aufmerksam zu machen. So kann etwa für jeden nachweislich aus freien Stücken Fastenden ein bestimmter Betrag für jene Menschen gespendet werden, die Hunger leiden müssen.

SOS-Kinderdörfer

Die Unterstützung für SOS-Kinderdörfer ist mehr als ein Klassiker. Die Organisation selbst ist Zeit ihres Bestehens eine seriöse Einrichtung. Auch in Deutschland kann sich jeder selbst vor Ort davon überzeugen, dass die Gelder, die er spendet, auch genau dort ankommen und für diese Zwecke verwendet werden. Tausende von Kindern in 132 Ländern weltweit haben durch das Engagement des bereits verstorbenen Gründers Hermann Gmeiner nicht nur die Möglichkeit, in einer Familie aufzuwachsen, sondern auch die Chance auf eine Ausbildung und eine Zukunft.

Gerade Apotheken mit einer eindeutigen Orientierung in Richtung Familie – mit einem Sortiment, das von Folsäure und Schwangerschaftstest bis hin zu Babynahrung und -waagenverleih reicht – bietet die Unterstützung familienorientierter Projekte eine authentische Möglichkeit zum sozialen Marketing. Dazu bedarf es weniger eines bestimmten Aktionszeitraumes, bedeutender ist dabei die allgemeine Ausrichtung auf diesen Aspekt.

Aids-Stiftungen

Die Offizin muss noch nicht einmal in einer der Karnevalshochburgen am Rhein oder Main liegen, um die fünfte Jahreszeit zu nutzen – zum einen für eine intensive Aufklärung (etwa mit Broschüren und Vorträgen) über die Gefahren des HI-Virus und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten, zum anderen natürlich über deren Vorbeugung und Behandlung. Neben der Enthaltsamkeit ist eine der besten Schutzmöglichkeiten immer noch das Kondom.

Dieses zumindest sollte zwischen Köln und Düsseldorf sowie im singenden und lachenden Mainz in der Zeit zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch des darauf folgenden Jahres fast einen Stammplatz auf dem HV-Tisch haben. Und wenn pro Kondom ein Cent von der Apotheke an die Aids- Stiftung geht? Vielleicht animiert es die Apothekenkunden nicht nur zu safer sex, sondern auch zu einer eigenen Spende an eine so lebensnotwendige Organisation.

Jugend-Sportförderung

Übergewichtige Kinder gehören leider immer häufiger und nicht nur in den USA zum ganz normalen Straßenbild. Ungesunde Ernährung ist einer der Faktoren, der 18-jährige Adipositas- Patienten hervorbringt. Mangelnde Bewegung ist ein anderer – stundenlange Computerspiele und Eltern, die den Nachwuchs chauffieren, fördern nicht unbedingt die regelmäßige körperliche Aktivität.

Die jüngsten unter den Apothekenkunden sowie deren Eltern gilt es also zu motivieren. Sportgrößen wie vor Jahrzehnten Steffi Graf oder heute Michael Phelps, können dabei eine inspirierende Vorbildfunktion einnehmen. Aktivitäten, die die Apotheke ins Leben ruft – zum Beispiel persönlich geleitete Lauftreffs, Vorträge in Schulen, eigene Kindersportgruppen, pharmazeutische Unterstützung durch Kurse zu richtiger Ernährung und zusätzlichen Mineralien und Vitaminen – lassen sich überzeugend ausrichten.

Die Förderung jugendlicher Sportler muss nicht unbedingt in Richtung Leistungssport oder Olympianiveau gehen, sondern kann bereits der Mädchen-Fußballmannschaft im Nachbarort zugute kommen. Was dann auch einen Ansatzpunkt schafft, bei eigenen Veranstaltungen oder zum Beispiel bei Stadtfesten gemeinsame Aktionen zu initiieren, von denen letztlich alle Beteiligten profitieren.

Kunst und Co.

Schon fast ein „alter Hut“, wenn es um die Einbindung in die Apotheke geht, aber von unverminderter Relevanz: Kunst. So weit der Begriff ist, so breit sind auch die Möglichkeiten für die Apotheke. Man muss sich nicht gleich alle neun Musen der griechischen Mythologie nach Hesiod zum Vorbild nehmen – man kann aber! Indem man zum Beispiel monatlich eine Muse in den Mittelpunkt der Aktivitäten stellt und die Kunden aufruft, in dieser Disziplin eigene Beiträge zu leisten – die durchaus und gerne mit dem Thema Gesundheit in Verbindung stehen können.

Elisabeth Dartsch (elisabeth.dartsch@gmx.com)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 02/2009 auf Seite 8 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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